Fasten und Heilfasten: was im Körper passiert
Vom Intervallfasten bis zum Heilfasten nach Buchinger, die Formen unterscheiden sich stark, und nicht jede passt zu jedem.

Worum geht es?
Unter Fasten versteht man den freiwilligen, zeitlich begrenzten Verzicht auf Nahrung oder auf bestimmte Nahrungsbestandteile. Der Begriff ist allerdings ein Sammelbegriff für sehr unterschiedliche Vorgehensweisen, die man gut auseinanderhalten sollte, weil sie sich in Dauer, Strenge und auch im Anspruch deutlich unterscheiden[3].
Beim Intervallfasten, auch intermittierendes Fasten genannt, wechseln sich Phasen des Essens und des Verzichts im Tages- oder Wochenrhythmus ab, etwa nach dem Muster 16 Stunden Pause und 8 Stunden Essensfenster. Hier wird über die Zeit gesteuert, nicht grundsätzlich auf Nahrung verzichtet. Diese Form lässt sich für viele Menschen gut in den Alltag einbauen.
Das Heilfasten ist davon klar zu unterscheiden. Beim klassischen Heilfasten nach Buchinger wird über mehrere Tage fast vollständig auf feste Nahrung verzichtet, der Körper erhält nur eine kleine Menge Energie, etwa über Gemüsebrühe, etwas Saft und Honig, in der Größenordnung von 250 bis 500 Kilokalorien am Tag[1]. Das ist eine deutlich tiefergreifende Maßnahme als das Intervallfasten.
Was im Körper passiert
Verzichtet der Körper für längere Zeit auf Nahrung, stellt er seinen Stoffwechsel um. Nach dem Aufbrauchen der schnell verfügbaren Kohlenhydratspeicher greift er verstärkt auf Fettreserven zurück und bildet dabei sogenannte Ketonkörper, die als Energiequelle dienen. Diese Umstellung ist ein natürlicher Vorgang, den der Körper grundsätzlich beherrscht.
Rund um das Fasten werden viele gesundheitliche Effekte diskutiert und beforscht. Manche Befunde sind vielversprechend, doch die Studienlage ist bei vielen weitreichenden Versprechen noch uneinheitlich. Ich halte mich hier bewusst zurück und verspreche Ihnen keine Heilwirkung, denn seriös belegt ist längst nicht alles, was rund um das Fasten behauptet wird.
Wichtig ist mir ein anderer Punkt: Längeres Heilfasten ist kein harmloser Selbstversuch. Die ärztlichen Empfehlungen zur Fastentherapie raten ausdrücklich dazu, ein Heilfasten unter fachkundiger Begleitung durchzuführen, idealerweise in einer Gruppe und mit erfahrenen Fastenärzten oder geschulten Fastenleitern[1]. Das zeigt, wie ernst diese Maßnahme zu nehmen ist.
Praktische Tipps für den Alltag
Wenn Sie das Fasten ausprobieren möchten, ist eine sanfte Form wie das Intervallfasten der niederschwelligere Einstieg. Achten Sie auch dabei darauf, in den Essensphasen ausgewogen zu essen und über den Tag ausreichend zu trinken. Fasten ersetzt keine dauerhaft gesunde Ernährung, es kann sie höchstens ergänzen.
Ein längeres Heilfasten sollten Sie nicht im Alleingang beginnen, sondern fachkundig begleiten lassen[1]. Klären Sie vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob es für Sie geeignet ist, besonders wenn Sie Vorerkrankungen haben oder Medikamente einnehmen. Auf eigene Faust mehrere Tage zu fasten, kann gerade bei Vorerkrankungen riskant sein.
Für bestimmte Personengruppen ist Fasten grundsätzlich nicht geeignet oder bedarf besonderer Vorsicht. Dazu zählen unter anderem Schwangere und Stillende, Kinder und Jugendliche, Menschen mit Essstörungen oder mit Untergewicht sowie Menschen mit ernsten Erkrankungen. Im Zweifel gilt: erst ärztlich abklären, dann entscheiden.
Eine weitere Frage ist die Zeit danach. Wer nach einer Fastenphase einfach wieder isst wie zuvor, verliert den möglichen Nutzen schnell. Sinnvoller ist es, das Fasten als Anstoß für eine dauerhaft ausgewogenere Ernährung zu nutzen, mit mehr Gemüse, weniger Zucker und bewussteren Portionen. Auch ein behutsamer Kostaufbau nach längerem Fasten gehört zum guten Vorgehen dazu und sollte nicht überstürzt werden.
Bezug zu Beschwerden und Beweglichkeit
Viele Menschen verbinden mit dem Fasten die Hoffnung, dass sich Beschwerden bessern, etwa Gelenkschmerzen. Hier ist eine ehrliche Einordnung wichtig: Ein häufiger und gut nachvollziehbarer Effekt des Fastens ist eine Gewichtsabnahme, und ein geringeres Körpergewicht kann Gewichtsgelenke wie Knie und Hüfte entlasten[2]. Dieser Weg über das Gewicht ist plausibel.
Darüber hinausgehende, spezifische Heilwirkungen auf einzelne Beschwerdebilder verspreche ich Ihnen bewusst nicht, weil die Datenlage das vielfach nicht hergibt. Wer dauerhaft etwas für seine Gelenke und seinen Rücken tun will, ist mit einer ausgewogenen Ernährung und vor allem mit regelmäßiger Bewegung verlässlicher beraten als mit einer einmaligen Fastenkur.
Ein Punkt, der mir als Physiotherapeutin am Herzen liegt: Während einer strengen Fastenphase fühlen sich manche Menschen schlapp und kreislaufschwach. Intensive Trainingseinheiten sind dann meist nicht ratsam, leichte Bewegung an der frischen Luft dagegen schon. Hören Sie auf Ihren Körper und passen Sie die Belastung der Situation an, statt in der Fastenzeit Höchstleistungen erzwingen zu wollen.
Wie wir Sie unterstützen
In unserer Praxis werde ich immer wieder gefragt, was ich vom Fasten halte. Mein Standpunkt ist abwägend: Intervallfasten kann für gesunde Menschen ein gangbarer Weg sein, das Essverhalten bewusster zu gestalten. Ein mehrtägiges Heilfasten dagegen gehört in fachkundige, möglichst ärztlich begleitete Hände.
Als Physiotherapeutin liegt meine Aufgabe nicht im Verordnen von Fastenkuren, sondern in der Bewegung. Wenn jemand über das Fasten Gewicht reduziert und dadurch die Gelenke entlastet, begleite ich das aktiv mit passender Bewegungstherapie. Bei gesundheitlichen Fragen rund ums Fasten verweise ich konsequent an die ärztliche Beratung, denn dort gehört diese Entscheidung hin.
Ich rate Ihnen, zwischen den Formen klar zu unterscheiden: Intervallfasten ist ein sanfter Einstieg, ein mehrtägiges Heilfasten dagegen sollten Sie nicht allein, sondern fachkundig begleitet angehen.
Klären Sie vor einem längeren Fasten unbedingt ärztlich ab, ob es für Sie geeignet ist, vor allem bei Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme, in Schwangerschaft und Stillzeit oder bei einer Essstörung in der Vorgeschichte. Im Zweifel gilt: erst fragen, dann fasten.
Häufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Intervallfasten und Heilfasten?
Beim Intervallfasten wechseln sich Ess- und Fastenphasen im Tages- oder Wochenrhythmus ab, etwa 16 Stunden Pause und 8 Stunden Essensfenster. Beim Heilfasten nach Buchinger wird über mehrere Tage fast vollständig auf feste Nahrung verzichtet. Heilfasten ist die deutlich tiefergreifende Maßnahme.
Für wen ist Fasten nicht geeignet?
Vorsicht ist unter anderem geboten bei Schwangeren und Stillenden, Kindern und Jugendlichen, Menschen mit Essstörungen oder Untergewicht sowie bei ernsten Erkrankungen. Wer Medikamente einnimmt oder Vorerkrankungen hat, sollte vorab ärztlich klären, ob Fasten infrage kommt.
Muss ein Heilfasten ärztlich begleitet werden?
Die ärztlichen Empfehlungen zur Fastentherapie raten dazu, ein Heilfasten fachkundig zu begleiten, idealerweise in einer Gruppe mit erfahrenen Fastenärzten oder geschulten Fastenleitern. Auf eigene Faust mehrere Tage zu fasten, kann gerade bei Vorerkrankungen riskant sein.
Hilft Fasten gegen Gelenkschmerzen?
Eine spezifische Heilwirkung lässt sich nach derzeitiger Datenlage nicht versprechen. Plausibel ist vor allem der Weg über das Gewicht: Nimmt man ab, werden Gewichtsgelenke entlastet. Für dauerhaft gesunde Gelenke sind ausgewogene Ernährung und regelmäßige Bewegung der verlässlichere Weg.
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.

