Zink (Immunsystem & Wundheilung)
Zink ist ein lebenswichtiges Spurenelement: Der Körper braucht es täglich, kann es aber nicht selbst herstellen oder nennenswert speichern. Es steckt in Hunderten von Enzymen und ist an Immunabwehr, Zellteilung, Eiweißstoffwechsel sowie an gesunder Haut, Haaren, Nägeln und der Wundheilung beteiligt. Über die Ernährung ist die Versorgung in Deutschland bei den meisten Menschen gut. Trotzdem ranken sich um Zink viele Versprechen, gerade in der Erkältungszeit. Dieser Ratgeber ordnet ein, was Zink wirklich leistet, wie viel Sie brauchen, woran sich ein Mangel zeigen kann und warum mehr nicht automatisch besser ist.

Was Zink im Körper leistet
Zink ist Bestandteil zahlreicher Enzyme und Proteine und damit an einer Vielzahl von Reaktionen beteiligt, unter anderem an Zellwachstum und Wundheilung, an verschiedenen Stoffwechselvorgängen, am Immunsystem und an der Fortpflanzung[1]. Ohne Zink laufen viele dieser Prozesse nicht rund.
Für Haut, Haare und Nägel spielt Zink eine wichtige Rolle, ebenso für die Wundheilung: Das Spurenelement ist für eine gesunde Haut, die Heilung von Wunden und das Wachstum erforderlich[2]. Auch das Immunsystem ist auf eine ausreichende Zinkversorgung angewiesen.
Weil der Körper Zink weder selbst bildet noch in größeren Mengen speichert, ist eine regelmäßige Zufuhr über die Nahrung nötig. Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung deckt diesen Bedarf bei den meisten Menschen gut ab.
Wie viel Zink Sie brauchen und gute Quellen
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt Referenzwerte an, die von der sogenannten Phytatzufuhr abhängen. Phytat steckt vor allem in Vollkornprodukten und Hülsenfrüchten und bindet Zink im Darm, sodass die Aufnahme bei sehr hohen Phytatgehalten um bis zu 45 Prozent vermindert sein kann[1]. Deshalb gibt es nicht eine einzige Zahl, sondern eine Spanne.
Für Frauen ab 19 Jahren liegt die empfohlene Zufuhr je nach Phytatgehalt der Kost bei 7, 8 oder 10 Milligramm pro Tag, für Männer bei 11, 14 oder 16 Milligramm pro Tag[1]. Schwangere und Stillende haben einen leicht erhöhten Bedarf. Diese Werte beziehen sich auf gesunde Erwachsene.
Besonders gut verwertbares Zink liefern tierische Lebensmittel wie Rind- und Schweinefleisch, Käse, Milch und Eier. Pflanzliche Quellen sind ebenfalls wertvoll: Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte wie Linsen, Bohnen und Kichererbsen, Nüsse und Kerne, etwa Cashew- und Pekannüsse oder Getreidekeimlinge[1]. Aus tierischen Lebensmitteln kann der Körper das Spurenelement allerdings leichter aufnehmen als aus pflanzlicher Kost.
Wer sich überwiegend pflanzlich und sehr ballaststoffreich ernährt, braucht daher tendenziell am oberen Ende dieser Spanne mehr Zink, weil die Aufnahme schlechter ist, was vor allem für vegetarische und vegane Ernährung relevant ist. Tierisches Eiweiß verbessert die Zinkaufnahme; Einweichen, Keimen und Sauerteiggärung bauen Phytat ab und steigern die Verfügbarkeit[1]. So lässt sich der Bedarf in den allermeisten Fällen ohne Präparate decken.
Zinkmangel erkennen und richtig einordnen
Ein Zinkmangel kann sich auf verschiedene Weise zeigen. Typisch sind eine verzögerte Wundheilung, eine erhöhte Infektanfälligkeit durch ein geschwächtes Immunsystem, Hautveränderungen und Ausschläge sowie Haarausfall; auch Appetitlosigkeit gehört zu den möglichen frühen Anzeichen[2]. Diese Beschwerden sind allerdings unspezifisch und können viele andere Ursachen haben.
Bestimmte Gruppen tragen ein höheres Risiko: ältere Menschen, insbesondere in Pflegeeinrichtungen, Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Darm-, Nieren- oder Lebererkrankungen, mit Diabetes oder Alkoholabhängigkeit sowie bei einseitiger, stark phytatreicher Ernährung[2]. Schwere Formen des Zinkmangels treten hierzulande aber kaum auf[1].
Wichtig: Versuchen Sie nicht, einen Mangel allein anhand von Symptomen selbst zu diagnostizieren und auf eigene Faust hochdosiert auszugleichen. Ob tatsächlich ein Mangel vorliegt, lässt sich nur ärztlich beurteilen.
Zink und Erkältung: nüchtern betrachtet
In der Erkältungszeit wird Zink gern als schnelle Hilfe beworben. Die Studienlage ist jedoch zurückhaltender: Auswertungen deuten darauf hin, dass Zink in sehr hohen Dosen, vor allem als Lutschpastillen, die Dauer einer Erkältung im Schnitt um etwa zwei Tage verkürzen könnte[4]. Das ist eine Behandlung mit Mengen weit oberhalb des normalen Bedarfs, keine Nahrungsergänzung.
Gleichzeitig sind viele dieser Studien klein, sehr unterschiedlich aufgebaut und teils mit Mängeln behaftet, sodass die Aussagekraft begrenzt bleibt[4]. Von einer Wunderwirkung kann also keine Rede sein, und die Ergebnisse sind uneinheitlich.
Zur Vorbeugung ist Zink nicht belegt: Gesicherte Hinweise, dass zusätzliches Zink Erkältungen verhindert oder das Immunsystem über den Bedarf hinaus stärkt, fehlen, zumal die Versorgung in Deutschland ohnehin meist gut ist[3].
Warum mehr nicht besser ist: Sicherheit
Zink dauerhaft hochdosiert einzunehmen, kann schaden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt für Nahrungsergänzungsmittel eine Höchstmenge von 6,5 Milligramm Zink pro Tag, da die Zufuhr über normale Lebensmittel bereits gut ist. Ab mehr als 3,5 Milligramm pro Tag soll ein Hinweis auf der Verpackung stehen, auf weitere zinkhaltige Präparate zu verzichten[3].
Zu viel Zink stört unter anderem die Aufnahme von Kupfer und kann so die Kupferbilanz aus dem Gleichgewicht bringen. Bei sehr hohen Mengen von 150 bis 300 Milligramm pro Tag wurden Veränderungen an weißen und roten Blutkörperchen beobachtet[3]. Hohe Dosen können zudem Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden verursachen[4].
Die Faustregel lautet deshalb: Supplemente nicht dauerhaft und unkontrolliert einnehmen. Eine ausgewogene Ernährung ist die sicherste Grundlage, und höhere Dosen gehören in ärztliche Hand.
Wann zur Ärztin oder zum Arzt?
Bitte lassen Sie sich ärztlich beraten, wenn Sie einen Zinkmangel vermuten oder anhaltende Beschwerden haben, die dazu passen könnten, etwa immer wieder kehrende Infekte, hartnäckige Hautprobleme, vermehrter Haarausfall oder auffällig schlecht heilende Wunden[2]. Solche Symptome sollten zunächst abgeklärt werden, statt sie auf eigene Faust zu behandeln.
Ärztlichen Rat sollten Sie auch einholen, bevor Sie Zinkpräparate dauerhaft einnehmen, wenn Sie weitere Nahrungsergänzungsmittel verwenden, chronisch krank sind, Medikamente nehmen oder schwanger sind beziehungsweise stillen. So lässt sich klären, ob und in welcher Menge eine Ergänzung überhaupt sinnvoll ist.
In meiner Praxis erlebe ich oft, dass nach einer Operation oder Verletzung der Wunsch groß ist, die Heilung mit Präparaten zu beschleunigen. Mein Rat: Sehen Sie eine ausgewogene Ernährung als Basis für Regeneration und Wundheilung, anstatt auf hohe Zinkdosen zu setzen. Ich verstehe mich dabei nicht als Ernährungsberatung, begleite Sie aber gern bei Aufbau und Belastbarkeit im Rahmen der Physiotherapie. Achten Sie auf Warnzeichen wie auffällig schlecht heilende Wunden, immer wiederkehrende Infekte, hartnäckige Hautprobleme oder vermehrten Haarausfall und lassen Sie diese ärztlich abklären, bevor Sie Zink dauerhaft und hochdosiert einnehmen.
Häufige Fragen
Sollte ich vorsorglich Zink einnehmen, um Erkältungen vorzubeugen?
Dafür gibt es keine gesicherten Belege. Zusätzliches Zink über den Bedarf hinaus verbessert das Immunsystem nicht nachweislich, und die Versorgung in Deutschland ist meist gut. Sinnvoller ist eine ausgewogene Ernährung.
Bekomme ich genug Zink, wenn ich mich vegetarisch oder vegan ernähre?
Das ist möglich, erfordert aber etwas Aufmerksamkeit. Pflanzliches Zink ist durch Phytat schlechter verfügbar. Vollkorn, Hülsenfrüchte, Nüsse und Kerne helfen; Einweichen, Keimen und Sauerteig verbessern die Aufnahme. Im Zweifel ärztlich beraten lassen.
Woran merke ich einen Zinkmangel?
Mögliche Anzeichen sind schlechte Wundheilung, häufige Infekte, Hautveränderungen und Haarausfall. Diese Beschwerden sind aber unspezifisch. Ob wirklich ein Mangel vorliegt, lässt sich nur ärztlich feststellen, nicht durch Selbstdiagnose.
Kann zu viel Zink schaden?
Ja. Dauerhaft hohe Dosen können die Kupferaufnahme stören und das Blutbild beeinflussen. Für Nahrungsergänzungsmittel empfiehlt das BfR höchstens 6,5 Milligramm pro Tag. Höhere Mengen gehören in ärztliche Hand.
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Ausgewählte Fragen und Antworten zu Zink (Referenzwerte, Phytat, Funktionen, Quellen)
- MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Zinkmangel (Symptome, Ursachen, Risikogruppen, Haut und Wundheilung)
- Verbraucherzentrale: Mehr Zink bei Erkältungen? (BfR-Höchstmenge, Erkältung, Risiken durch Überdosierung)
- Medizin transparent (Cochrane Österreich): Erkältung verkürzen – vielleicht mit Zink (Studienlage, Evidenz)

