Zum Inhalt springen
Ernährung · Gegen Schmerzen & Entzündungen

Arachidonsäure (entzündungsfördernde Fettsäure)

Autorin  Serena Sievers Zuletzt aktualisiert: 13.06.2026

Arachidonsäure ist eine tierische Fettsäure, aus der der Körper entzündungsfördernde Botenstoffe bildet. Ich erkläre, in welchen Lebensmitteln sie steckt und wie man sie behutsam reduziert.

Ernährung – Arachidonsäure (entzündungsfördernde Fettsäure)

Worum geht es?

Arachidonsäure ist eine mehrfach ungesättigte Fettsäure aus der Gruppe der Omega-6-Fettsäuren. Sie klingt erst einmal exotisch, ist aber etwas ganz Alltägliches: Der Körper braucht sie in kleinen Mengen, etwa als Baustein von Zellmembranen, und er kann sie sogar selbst aus anderen Fettsäuren bilden. Zum Thema wird sie vor allem deshalb, weil aus ihr entzündungssteuernde Botenstoffe entstehen.

Aus Arachidonsäure stellt der Körper sogenannte Eikosanoide her, das sind hormonähnliche Stoffe, die Entzündungsprozesse anstoßen und in Gang halten. Das ist im Akutfall sinnvoll und gewollt, etwa wenn eine Wunde heilen soll. Problematisch wird es, wenn dauerhaft sehr viel Arachidonsäure zugeführt wird, denn dann steht reichlich Ausgangsmaterial für entzündungsfördernde Botenstoffe bereit.

Mir ist die ruhige Einordnung wichtig: Arachidonsäure ist kein Gift, und niemand muss sie ängstlich meiden. Es geht um die Menge im Verhältnis zu den entzündungsdämpfenden Omega-3-Fettsäuren. Genau dieses Verhältnis lässt sich über die Lebensmittelauswahl ein Stück weit in eine günstigere Richtung verschieben.

Serena Sievers
Praxisinhaberin & Physiotherapeutin · Forchheim
Verfasst und fachlich geprüft von Serena Sievers
Mehr über Serena Sievers →

Was sagt die Wissenschaft?

Arachidonsäure kommt fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor. Besonders viel steckt in fettem Fleisch, in Wurstwaren, in Innereien wie Leber sowie in Eigelb. Pflanzliche Lebensmittel enthalten praktisch keine Arachidonsäure, weshalb eine stärker pflanzenbetonte Kost die Zufuhr fast von selbst senkt.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung beschreibt, dass eine an Arachidonsäure arme und zugleich an Omega-3-Fettsäuren reiche Kost entzündliche Beschwerden günstig beeinflussen kann[1]. Dahinter steht die geschilderte Logik: Aus Arachidonsäure entstehen eher entzündungsfördernde, aus den langkettigen Omega-3-Fettsäuren EPA und DHA eher entzündungsdämpfende Botenstoffe. Beide Fettsäuren nutzen teils dieselben Stoffwechselwege und stehen daher in einer Art Wettbewerb.

Untersuchungen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen stützen diesen Ansatz: Eine höhere Zufuhr langkettiger Omega-3-Fettsäuren über Monate konnte in mehreren Studien die Krankheitsaktivität und Beschwerden wie Morgensteifigkeit verringern[2]. Wichtig bleibt die ehrliche Einordnung: Solche Effekte sind real, aber moderat, sie bauen sich langsam auf und ersetzen keine ärztliche Behandlung. Es geht um ein günstigeres Umfeld, nicht um einen Schalter, der Entzündung abstellt.

Praktische Tipps für den Alltag

Mein erster und wirksamster Rat lautet, fettes Fleisch und Wurstwaren seltener und in kleineren Portionen einzuplanen. Das ist kein striktes Verbot, sondern eine Frage der Häufigkeit. Innereien und sehr reichlich Eigelb würde ich ebenfalls bewusster dosieren, weil dort besonders viel Arachidonsäure steckt.

Im Gegenzug dürfen die entzündungsdämpfenden Quellen nach vorne rücken. Fetter Seefisch wie Lachs, Makrele oder Hering ein- bis zweimal pro Woche liefert die langkettigen Omega-3-Fettsäuren direkt. Pflanzliche Öle wie Raps-, Lein- und Walnussöl sowie Nüsse ergänzen das Bild. Eingebettet in viel Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkorn entsteht so ein insgesamt entzündungsärmeres Muster, wie es die DGE empfiehlt[3].

Hilfreich ist es, die Umstellung nicht als Verzicht, sondern als Austausch zu denken. Wer die Wurst auf dem Brot durch einen pflanzlichen Aufstrich, eine Handvoll Nüsse als Snack oder einen Fischtag pro Woche ersetzt, senkt die Arachidonsäure und hebt zugleich die Omega-3-Zufuhr, ganz ohne strenge Regeln. Solche kleinen Tausch-Gewohnheiten lassen sich im Alltag dauerhaft durchhalten, und gerade die Dauerhaftigkeit entscheidet über die Wirkung, nicht eine kurze, strenge Phase.

Statt einzelne Pflanzenstoffe oder Fettsäuren als Kapsel zu kaufen, rate ich, den natürlichen Lebensmittelverbund zu nutzen. Die DGE weist ausdrücklich darauf hin, dass die isolierte Zufuhr einzelner sekundärer Pflanzenstoffe als Nahrungsergänzungsmittel nicht empfohlen werden kann und sogar Risiken bergen kann[4]. Der Nutzen entsteht auf dem Teller, nicht in der Dose.

Bezug zu Schmerzen & Beweglichkeit

Viele Menschen, die zu mir kommen, leben mit anhaltenden Beschwerden an Gelenken oder Muskulatur. Hält im Hintergrund eine niedrigschwellige Entzündung an, kann das Gewebe empfindlicher reagieren und Beschwerden begünstigen. Wer das Verhältnis von Arachidonsäure zu Omega-3 günstiger gestaltet, setzt genau an dieser Grundlast an.

Das ist kein isolierter Effekt, sondern greift mit Bewegung ineinander. Fällt das Entzündungsniveau etwas geringer aus, fällt vielen Menschen das Bewegen leichter, und Bewegung wiederum erhält Beweglichkeit und kräftigt die gelenkführende Muskulatur. So unterstützen sich Ernährung und Therapie gegenseitig.

Ich möchte hier keine Wunder versprechen. Weniger tierisches Fett stellt keinen Schmerz ab. Aber es nimmt eine mögliche Mitursache aus dem System und passt gut zu dem, was wir in der Bewegungstherapie erreichen wollen. Schmerzen haben fast immer mehrere Ursachen, und die Ernährung ist eine von mehreren Stellschrauben.

Wie wir Sie unterstützen

In der Behandlung erlebe ich täglich, wie eng Bewegung und Ernährung zusammengehören. Als Physiotherapeutin arbeite ich am Körper, an Beweglichkeit und Belastbarkeit, und ich sehe, dass eine entzündungsärmere Kost diese Arbeit von innen unterstützt. Wenn jemand bei Gelenkbeschwerden selbst etwas beitragen möchte, erkläre ich den Zusammenhang zwischen tierischen Fetten und Omega-3 so, dass er im Alltag umsetzbar bleibt.

Mir ist dabei eine klare Grenze wichtig: Ich gebe keine Heilversprechen, und bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist die Ernährung eine Begleitung, kein Ersatz für die ärztliche Therapie. Was ich anbiete, ist die Begleitung über die Bewegung, abgestimmt auf Ihre Situation. Aus kleinen, ruhigen Veränderungen wächst mit der Zeit ein Muster, das trägt, und das ist genau der Weg, den ich bevorzuge.

Das rät Serena Sievers

Ich rate Ihnen, an einem einzigen Punkt anzusetzen: weniger fettes Fleisch und Wurst, dafür ein- bis zweimal pro Woche fetter Seefisch und gute Pflanzenöle. Das ist konkret, alltagstauglich und verschiebt das Verhältnis der Fettsäuren in eine günstigere Richtung.

Von Kapseln mit isolierten Fettsäuren oder Pflanzenstoffen halte ich wenig. Holen Sie sich den Nutzen lieber über echte Lebensmittel, und lassen Sie einen vermuteten Mangel oder die Frage nach einem Präparat vorher ärztlich abklären.

Häufige Fragen

Ist Arachidonsäure schädlich?

Nein, der Körper braucht sie in kleinen Mengen und kann sie sogar selbst bilden. Erst eine dauerhaft sehr hohe Zufuhr über viel tierisches Fett liefert reichlich Ausgangsmaterial für entzündungsfördernde Botenstoffe. Es geht um die Menge, nicht um ein striktes Verbot.

In welchen Lebensmitteln steckt besonders viel Arachidonsäure?

Vor allem in fettem Fleisch, Wurstwaren, Innereien wie Leber und in reichlich Eigelb. Pflanzliche Lebensmittel enthalten praktisch keine Arachidonsäure, deshalb senkt eine pflanzenbetonte Kost die Zufuhr fast von selbst.

Muss ich jetzt Omega-3-Kapseln nehmen?

Für viele Menschen liefert regelmäßiger fetter Seefisch bereits wertvolle Omega-3-Fettsäuren. Ob ein Präparat sinnvoll ist, hängt von Ihrer Situation ab und kann mit Medikamenten zusammenwirken. Das sollten Sie ärztlich abklären lassen.

Serena Sievers
Verfasst & fachlich geprüft von

Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →

Beschwerden abklären lassen
Telefon  09191 974 572 · Forchheim-Buckenhofen
Termin vereinbaren

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.

Quellen
  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Ausgewählte Fragen und Antworten zu Fett und Fettbegleitstoffen
  2. Gioxari et al.: The Effect of Omega-3 Fatty Acids on Rheumatoid Arthritis (PMC)
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Gut essen und trinken, die DGE-Empfehlungen
  4. Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Sekundäre Pflanzenstoffe und ihre Wirkung auf die Gesundheit