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Ernährung · Gegen Schmerzen & Entzündungen

Kurkuma & Ingwer (natürliche Entzündungshemmer?)

Autorin  Serena Sievers Zuletzt aktualisiert: 20.06.2026

Kurkuma und Ingwer haben einen festen Platz in vielen Küchen und gelten als "natürliche Entzündungshemmer". Gerade Menschen mit Arthrose oder schmerzenden Gelenken fragen sich, ob die goldgelbe Wurzel und ihr scharfer Verwandter wirklich helfen können. Die Hoffnung ist verständlich, denn beide Gewürze sind gut verträglich und seit Jahrhunderten in Gebrauch. Doch was die Forschung tatsächlich zeigt, klingt nüchterner als manche Werbung verspricht. In diesem Ratgeber ordnen wir die Studienlage ehrlich ein, erklären den Unterschied zwischen Gewürz und hochdosierten Kapseln und sagen, worauf Sie bei der Sicherheit achten sollten.

Ernährung – Kurkuma & Ingwer (natürliche Entzündungshemmer?)

Worum geht es bei Kurkuma und Ingwer?

Kurkuma, auch Gelbwurz genannt, enthält den Pflanzenstoff Curcumin, der für die kräftig gelbe Farbe und die meisten der untersuchten Effekte verantwortlich gemacht wird. Ingwer gehört zur selben Pflanzenfamilie und liefert ebenfalls eine Reihe von Scharfstoffen. Beiden Gewürzen wird nachgesagt, sie könnten Entzündungsprozesse im Körper dämpfen, weshalb viele Menschen sie bei Arthrose und Gelenkschmerzen ausprobieren.

Als Gewürz in der Küche ist Kurkuma unproblematisch und kann verdauungsfördernd wirken[1]. Die Vorstellung vom "natürlichen Entzündungshemmer" stammt vor allem aus Labor- und Tierversuchen, in denen Curcumin in Zellen tatsächlich auf Entzündungsbotenstoffe einwirkt. Ob sich das auf den Menschen mit einem schmerzenden Knie übertragen lässt, ist damit aber noch nicht gesagt.

Wichtig zu wissen: Eine beantragte EU-Werbeaussage, wonach Curcumin zur normalen Gelenkfunktion beitrage, wurde nicht genehmigt, weil die wissenschaftlichen Nachweise dafür fehlten[1]. Was im Reagenzglas vielversprechend aussieht, muss sich am Menschen erst beweisen.

Serena Sievers
Praxisinhaberin & Physiotherapeutin · Forchheim
Verfasst und fachlich geprüft von Serena Sievers
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Was sagt die Studienlage wirklich?

Es gibt durchaus Untersuchungen, in denen Curcuma- oder Ingwer-Extrakte Schmerzen bei Kniearthrose etwas gelindert haben. Diese Hinweise sollte man jedoch mit Vorsicht lesen: Die Studien sind oft klein, dauern nur wenige Wochen und sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Eine große Cochrane-Auswertung zu pflanzlichen Mitteln bei Arthrose kommt zu dem Schluss, dass die Wirksamkeit für die meisten Pflanzenstoffe nur durch Einzelstudien oder Studien von niedriger bis sehr niedriger Qualität gestützt wird[2].

Für viele Behandlungen ist schlicht nicht nachgewiesen, dass sie bei Arthrose wirken, und dazu zählen ausdrücklich auch Nahrungsergänzungsmittel[3]. Speziell für Kurkuma heißt es in unabhängigen Gesundheitsinformationen klar, dass eine Wirkung bei Kniearthrose nicht belegt ist[4].

Daraus folgt eine ehrliche Einordnung: Kurkuma und Ingwer sind kein Heilmittel. Sie können eine Arthrose nicht stoppen und den Knorpelabbau nicht rückgängig machen. Bestenfalls lindern sie bei manchen Menschen Beschwerden ein wenig, ein verlässlicher Therapieeffekt lässt sich daraus aber nicht ableiten. Die Belege sind und bleiben begrenzt.

Gewürz oder Kapsel? Ein wichtiger Unterschied

Zwischen einer Prise Kurkuma im Curry und einer hochdosierten Kapsel aus der Drogerie liegen Welten. Die Mengen an Curcumin in Kapseln und Extrakten sind um ein Vielfaches höher als das, was über das Essen aufgenommen wird. Genau diese konzentrierten Präparate stehen aus Sicherheitssicht im Fokus, nicht das Gewürz auf dem Teller.

Hinzu kommt, dass Curcumin vom Körper nur schlecht aufgenommen wird. Aus diesem Grund mischen Hersteller oft Piperin, einen Scharfstoff aus schwarzem Pfeffer, bei, um die Aufnahme zu verbessern. Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt allerdings, über Nahrungsergänzungsmittel nicht mehr als 2 Milligramm isoliertes Piperin pro Tag aufzunehmen[1].

Eine bessere Aufnahme klingt zunächst gut, hat aber eine Kehrseite: Wird die Bioverfügbarkeit erhöht, muss auch mit einer erhöhten Belastung des Körpers gerechnet werden[5]. Mehr Wirkstoff im Blut bedeutet nicht automatisch mehr Nutzen, wohl aber ein größeres Risiko für unerwünschte Effekte.

Sicherheit und Wechselwirkungen ernst nehmen

Auch pflanzlich heißt nicht automatisch harmlos. Für Curcumin gilt eine akzeptable tägliche Aufnahmemenge von langfristig höchstens 3 Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag, das sind bei einer 70 Kilogramm schweren Person rund 200 Milligramm[1]. Schon eine geringe, aber dauerhafte Überschreitung dieses Werts kann unerwünschte gesundheitliche Wirkungen haben, besonders bei empfindlichen Personen[5].

Vorsicht ist bei der Blutgerinnung geboten: Kurkuma kann die Wirkung von Medikamenten beeinflussen, da Piperin auch die Aufnahme von Arzneistoffen erhöhen kann[1]. Wer Blutverdünner einnimmt, sollte hochdosierte Präparate deshalb nicht ohne ärztliche Rücksprache verwenden. Auch vor geplanten Operationen ist Zurückhaltung sinnvoll.

Menschen mit Gallensteinen sollten Produkte mit Kurkuma-Extrakten meiden, denn diese können die Gallensaftproduktion anregen und so eine Gallenkolik auslösen[1]. Schwangere und Stillende sollten aus Sicherheitsgründen ganz auf Nahrungsergänzungsmittel mit Kurkuma verzichten, besonders auf solche mit Curcumin und Piperin[1].

Hinzu kommt ein selten auftretendes, aber ernstes Risiko: Mehrere Gesundheitsbehörden warnen, dass es in Einzelfällen durch hochdosierte Kurkuma- oder Curcumin-Präparate zu schweren Leberschäden kommen kann[1]. Gewürzmengen in der normalen Küche sind nach heutigem Wissen unbedenklich, hochdosierte Nahrungsergänzung sollte man dagegen kritisch sehen.

Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Bevor Sie hochdosierte Kurkuma- oder Ingwer-Präparate einnehmen, sprechen Sie ärztlich ab, wenn Sie Blutverdünner nehmen, Gallensteine oder Gallenwegsprobleme haben, schwanger sind oder stillen. Auch vor einer geplanten Operation gehört die Einnahme solcher Präparate auf den Prüfstand.

Unabhängig von Gewürzen gilt: Lassen Sie starke, anhaltende oder zunehmende Gelenkbeschwerden ärztlich abklären. Auch eine Gelenkschwellung, eine deutliche Bewegungseinschränkung oder Schmerzen, die Sie nachts wachhalten, gehören untersucht.

Verlassen Sie sich nicht allein auf Gewürze oder Nahrungsergänzung, wenn die Beschwerden Ihren Alltag einschränken. Eine fundierte Diagnose ist die Grundlage dafür, dass Sie die richtigen und belegten Maßnahmen erhalten.

Das rät Serena Sievers

Wenn Sie Kurkuma oder Ingwer in Ihre Küche holen, weil es Ihnen schmeckt und guttut, spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, das sehe ich als angenehme Ergänzung. Was ich Ihnen aber ehrlich sage: Die wirklich belegten Hebel bei Gelenkbeschwerden sind Bewegung, gezielte Kräftigung, ein gesundes Körpergewicht und eine gut angeleitete Physiotherapie. Genau hier können wir gemeinsam viel erreichen, und genau hier liegt der Unterschied zu einem Gewürz, das Beschwerden bestenfalls etwas mildert. Hochdosierte Kapseln dagegen würde ich nicht auf eigene Faust einnehmen, vor allem nicht bei Blutverdünnern, Gallensteinen, in der Schwangerschaft oder vor einer Operation. Und ganz wichtig: Wenn Ihre Gelenkschmerzen stark werden, nicht nachlassen, ein Gelenk anschwillt oder Sie nachts nicht schlafen lässt, dann lassen Sie das bitte ärztlich abklären, bevor Sie selbst herumprobieren.

Häufige Fragen

Hilft Kurkuma wirklich gegen Arthrose?

Eine sichere Wirkung ist nicht belegt. Einzelne kleine Studien deuten auf eine leichte Schmerzlinderung bei Kniearthrose hin, doch die Belege sind begrenzt und von schwankender Qualität. Kurkuma ist kein Heilmittel und kann eine Arthrose nicht aufhalten.

Reicht Kurkuma als Gewürz oder brauche ich Kapseln?

Als Gewürz in der Küche ist Kurkuma gut verträglich und unbedenklich. Hochdosierte Kapseln und Extrakte enthalten dagegen ein Vielfaches an Curcumin und bergen mehr Risiken, ohne dass ein verlässlicher Zusatznutzen für die Gelenke gesichert wäre.

Kann ich Kurkuma mit Blutverdünnern kombinieren?

Hier ist Vorsicht geboten. Kurkuma kann die Aufnahme von Arzneistoffen beeinflussen, gerade in Kombination mit Piperin. Wenn Sie Blutverdünner einnehmen, sollten Sie hochdosierte Präparate nicht ohne ärztliche Rücksprache verwenden.

Warum wird Kurkuma oft mit schwarzem Pfeffer kombiniert?

Curcumin wird vom Körper schlecht aufgenommen. Piperin aus schwarzem Pfeffer verbessert die Aufnahme. Damit steigt aber auch die Belastung des Körpers, weshalb das Bundesinstitut für Risikobewertung die zugeführte Piperin-Menge begrenzt.

Serena Sievers
Verfasst & fachlich geprüft von

Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.

Quellen
  1. Verbraucherzentrale: Kurkuma: Fakten und Mythen (ADI, Piperin, Gallensteine, Schwangerschaft, Leberschäden)
  2. Cochrane: Oral herbal therapies for treating osteoarthritis (Evidenzqualität pflanzlicher Mittel bei Arthrose)
  3. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Arthrose (Nahrungsergänzungsmittel ohne Wirksamkeitsbeleg, Bewegung, Gewicht)
  4. IQWiG, gesundheitsinformation.de: Kniearthrose (Gonarthrose) (für Kurkuma keine Wirkung belegt)
  5. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Curcumin in Nahrungsergänzungsmitteln, Stellungnahme Nr. 040/2021