Teufelskralle
Die Teufelskralle gilt als sanftes pflanzliches Mittel gegen Rücken- und Gelenkschmerzen. Aus der Wurzel der afrikanischen Pflanze werden Tees, Extrakte und Kapseln hergestellt, die entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken sollen. Doch was kann sie wirklich? Die ehrliche Antwort: Bei kurzfristigem, unspezifischem Rückenschmerz gibt es gewisse Hinweise auf eine Wirkung, bei Arthrose sind die Belege schwächer. Eine starke wissenschaftliche Sicherheit fehlt. In diesem Faktencheck ordnen wir die Studienlage nüchtern ein, erklären mögliche Nebenwirkungen und sagen Ihnen, wann ein Versuch sinnvoll sein kann und wann Sie besser ärztlich abklären lassen sollten.

Was ist die Teufelskralle?
Die Teufelskralle (Harpagophytum procumbens) ist eine Pflanze aus dem südlichen Afrika. Verwendet wird ihre getrocknete Speicherwurzel, die als Arzneitee, als flüssiger oder eingedickter Extrakt sowie als Kapsel oder Tablette angeboten wird. Als wichtigster Inhaltsstoff gilt das sogenannte Harpagosid, ein Bitterstoff aus der Gruppe der Iridoidglykoside.
Traditionell wird die Wurzel bei Schmerzen, Verdauungsbeschwerden und Gelenkproblemen eingesetzt. Die schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung wird vor allem dem Harpagosid zugeschrieben. Wichtig zu wissen: Diese Annahme stützt sich bislang überwiegend auf Labor- und Tierversuche, die sich nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen lassen.
Standardisierte Präparate enthalten meist eine festgelegte Menge Harpagosid pro Tagesdosis, häufig zwischen 50 und 100 Milligramm. Bei frei verkäuflichen Nahrungsergänzungsmitteln dagegen kann der Wirkstoffgehalt schwanken und muss nicht einmal angegeben werden, anders als bei zugelassenen Arzneimitteln.
Was verspricht die Teufelskralle?
Beworben wird die Teufelskralle vor allem bei zwei Beschwerdebildern: bei Verschleißbeschwerden der Gelenke (Arthrose), etwa an Knie und Hüfte, und bei unspezifischen Rückenschmerzen, also Schmerzen ohne klar fassbare Ursache wie Bandscheibenvorfall oder Nervenschaden.
Der Gedanke dahinter ist nachvollziehbar: Wenn ein pflanzliches Mittel Entzündung und Schmerz dämpft, könnte es klassische Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac ergänzen oder einsparen helfen. Hersteller verweisen außerdem gern darauf, dass die Wirkung erst nach mehreren Wochen einsetzt und das Mittel deshalb für die Daueranwendung gedacht sei.
Solche Versprechen klingen plausibel. Entscheidend ist aber nicht, was plausibel klingt, sondern was in guten Studien tatsächlich nachgewiesen wurde. Genau das schauen wir uns jetzt an.
Was die Studienlage zeigt
Für kurzfristige Linderung bei unspezifischem Rückenschmerz gibt es eine gewisse, aber begrenzte Evidenz. Eine Cochrane-Übersicht zu pflanzlichen Mitteln bei Kreuzschmerzen kam zu dem Schluss, dass Tagesdosen mit 50 oder 100 Milligramm Harpagosid kurzfristig besser gegen Schmerzen wirken können als ein Scheinmedikament[1]. Allerdings stuften die Autorinnen und Autoren die Aussagekraft dieser Belege ausdrücklich als niedrig ein, und untersucht wurde nur eine Anwendung über wenige Wochen[1].
Diese Cochrane-Auswertung pflanzlicher Mittel bei Rückenschmerzen umfasst neben der Teufelskralle auch Weidenrinde und Cayennepfeffer[5]. Belege für eine sichere und sinnvolle Langzeitanwendung fehlen für all diese Mittel bislang.
Bei Arthrose ist die Datenlage schwächer. Eine Bewertung von Cochrane Österreich an der Universität für Weiterbildung Krems hält fest, dass es nicht genug aussagekräftige Studien gibt, um die Teufelskralle bei Gelenkverschleiß zu empfehlen oder davon abzuraten[2]. Die vorhandenen Untersuchungen seien zu klein und zu kurz, um eine chronische Erkrankung wie Arthrose verlässlich zu beurteilen[2].
Etwas differenzierter äußert sich die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie: Sie sieht eine moderate Evidenz für ein Pulver mit 60 Milligramm Harpagosid bei degenerativen Veränderungen der Wirbelsäule sowie der Hüft- und Kniegelenke, betont aber, dass für entzündlich-rheumatische Erkrankungen systematische kontrollierte Studien fehlen[3]. Unterm Strich bleibt: Eine starke, belastbare Sicherheit zur Wirksamkeit gibt es nicht.
Sicherheit, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Insgesamt gilt die Teufelskralle als vergleichsweise gut verträglich. Schwere Nebenwirkungen sind selten. Bei etwa drei von hundert behandelten Personen traten in Studien leichte Beschwerden auf, überwiegend im Magen-Darm-Bereich wie Übelkeit, Durchfall oder Bauchschmerzen[3].
Vorsicht ist dennoch geboten. Wegen der enthaltenen Bitterstoffe, die die Magensaftbildung anregen, sollten Sie die Teufelskralle bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren sowie bei Gallensteinen und Erkrankungen der Gallenwege nicht ohne ärztlichen Rat anwenden. Möglich sind außerdem Wechselwirkungen mit dem Blutzucker: Bei insulinpflichtigem Diabetes wurde unter der Einnahme ein Anstieg des Blutzuckers beobachtet, der nach dem Absetzen wieder zurückging[3].
Auch eine Beeinflussung der Blutgerinnung lässt sich nicht sicher ausschließen. Wenn Sie gerinnungshemmende Mittel einnehmen, blutzuckersenkende Medikamente verwenden oder regelmäßig andere Arzneimittel brauchen, besprechen Sie die Einnahme vorab mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In der Schwangerschaft und Stillzeit sollten Sie auf die Teufelskralle verzichten, da hierzu keine ausreichenden Untersuchungen vorliegen.
Ehrliches Fazit
Die Teufelskralle ist kein Wundermittel, aber auch nicht wirkungslos. Bei kurzfristigem, unspezifischem Rückenschmerz kann ein zeitlich begrenzter Versuch mit einem standardisierten Präparat eine Überlegung wert sein, vor allem als Ergänzung. Bei Arthrose sind die Belege dünner, ein Effekt ist möglich, aber nicht gesichert.
Wichtig bleibt die richtige Einordnung: Ein pflanzliches Mittel ersetzt weder Bewegung noch eine gezielte Therapie. Bei Rückenschmerzen gehört regelmäßige körperliche Aktivität zu den am besten belegten und wirksamsten Maßnahmen überhaupt[4]. Schmerzmittel und pflanzliche Präparate sind nur Begleiter, kein Ersatz, und für die Dauer gilt: so kurz wie möglich.
Wenn Sie die Teufelskralle ausprobieren möchten, wählen Sie ein zugelassenes, standardisiertes Arzneimittel statt eines beliebigen Nahrungsergänzungsmittels, halten Sie sich an die Dosierangaben und stimmen Sie die Anwendung ärztlich ab, besonders bei Vorerkrankungen oder anderen Medikamenten.
Wann Sie ärztlich abklären sollten
Rücken- und Gelenkschmerzen sind meist harmlos und bessern sich von selbst. Es gibt jedoch Warnzeichen, bei denen Sie nicht auf pflanzliche Mittel setzen, sondern zeitnah ärztlichen Rat einholen sollten.
Dazu zählen: starke oder anhaltende Schmerzen, die sich über Wochen nicht bessern, Schmerzen nach einem Sturz oder Unfall, Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Lähmungserscheinungen in Armen oder Beinen, Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang, Fieber, ungewollter Gewichtsverlust oder nächtliche Schmerzen, die Sie regelmäßig aufwecken.
Auch wenn Sie unsicher sind, ob ein Präparat zu Ihren Vorerkrankungen oder Medikamenten passt, ist das Gespräch mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt der richtige Weg. Eine sorgfältige Abklärung schützt davor, eine ernsthafte Ursache zu übersehen.
In meiner Praxis erlebe ich oft, wie groß die Hoffnung auf ein sanftes pflanzliches Mittel ist, und ich kann das gut verstehen. Mein ehrlicher Rat: Sehen Sie die Teufelskralle als möglichen Begleiter, nicht als Lösung. Wenn Sie sie ausprobieren möchten, greifen Sie zu einem standardisierten Arzneimittel und besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, besonders bei Vorerkrankungen. Was Ihrem Rücken nachweislich am meisten hilft, ist Bewegung. Genau dabei begleite ich Sie gern, damit Sie wieder schmerzärmer und beweglicher durch Ihren Alltag kommen.
Häufige Fragen
Hilft die Teufelskralle wirklich gegen Rückenschmerzen?
Bei kurzfristigem, unspezifischem Rückenschmerz gibt es gewisse Hinweise, dass standardisierte Präparate mit 50 bis 100 Milligramm Harpagosid Schmerzen lindern können. Die Aussagekraft der Studien ist allerdings begrenzt, und für eine Langzeitanwendung fehlen verlässliche Belege. Ein Versuch kann ergänzend sinnvoll sein, ein sicherer Erfolg ist aber nicht garantiert.
Wie lange dauert es, bis die Teufelskralle wirkt?
Anders als ein klassisches Schmerzmittel wirkt die Teufelskralle nicht sofort. In Studien wurden die Mittel über mehrere Wochen eingenommen, und auch Hersteller geben an, dass sich ein Effekt oft erst nach einigen Wochen zeigt. Wenn sich nach einer angemessenen Zeit nichts bessert, sollten Sie die Anwendung ärztlich überdenken.
Hat die Teufelskralle Nebenwirkungen?
Sie gilt als vergleichsweise gut verträglich. Am häufigsten sind leichte Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall, die etwa drei von hundert Personen betreffen. Bei Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren, Gallensteinen, in der Schwangerschaft sowie bei Einnahme blutzucker- oder gerinnungswirksamer Medikamente sollten Sie vorab ärztlichen Rat einholen.
Kann ich mit der Teufelskralle meine Schmerzmittel ersetzen?
Setzen Sie verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab. Die Teufelskralle ist bestenfalls eine Ergänzung und ersetzt weder eine ärztliche Behandlung noch Bewegung und Physiotherapie. Gerade bei Rückenschmerzen ist regelmäßige Bewegung eine der wirksamsten Maßnahmen. Ob ein Präparat zusätzlich infrage kommt, klären Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.
- Cochrane: Herbal medicine for low-back pain (Übersicht, u. a. zu Harpagophytum procumbens)
- Medizin transparent (Cochrane Österreich, Universität für Weiterbildung Krems): Teufelskralle bei Arthrose
- Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh): Behandlung mit Teufelskralle
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Warum Bewegung bei Rückenschmerzen wichtig ist
- Gagnier JJ u. a.: Herbal medicine for low back pain (Cochrane Review), PubMed

