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Schmerzbereiche · Becken & Beckenboden

Beckenbodenschwäche & Inkontinenz beim Mann

Autorin  Serena Sievers Zuletzt aktualisiert: 19.06.2026

Ungewollter Urinverlust ist für viele Männer ein belastendes und oft verschwiegenes Thema – besonders nach einer Prostata-Operation, aber auch bei einer Reizblase oder mit zunehmendem Alter. Eine wichtige Rolle spielt dabei der Beckenboden: Auch Männer haben diese Muskelgruppe, die Blase und Darm stützt, Harnröhre und After verschließt und an der Kontinenz beteiligt ist. Lässt ihre Kraft nach, kann die Kontrolle nachlassen. Die gute Nachricht: Ein gezieltes, angeleitetes Beckenbodentraining kann die Kontinenz unterstützen. Dieser Ratgeber erklärt, warum die Beschwerden entstehen, was die Forschung zeigt und wie das Training abläuft.

Schmerzbereiche – Beckenbodenschwäche & Inkontinenz beim Mann

Auch Männer haben einen Beckenboden

Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die den unteren Abschluss des Beckens bildet und wie eine Hängematte zwischen Schambein und Steißbein gespannt ist. Durch diese Muskelschicht verlaufen die Harnröhre und der Enddarm. Beim Mann stützt der Beckenboden Blase und Darm, hilft beim Verschluss von Harnröhre und After und trägt so wesentlich zur Kontinenz bei[4].

Daneben spielt die Beckenbodenmuskulatur eine Rolle für die Sexualfunktion und wird auch unterstützend bei Problemen mit der Erektion trainiert[4]. Dass der Beckenboden so oft nur Frauen zugeschrieben wird, führt dazu, dass viele Männer diese Muskelgruppe kaum wahrnehmen. Gerade deshalb lohnt es sich, sie bewusst kennenzulernen und gezielt anzusteuern.

Serena Sievers
Praxisinhaberin & Physiotherapeutin · Forchheim
Verfasst und fachlich geprüft von Serena Sievers
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Häufige Gründe für ein Training beim Mann

Der bekannteste Anlass ist eine Harninkontinenz nach einer Prostata-Operation. Wird die Prostata wegen eines örtlich begrenzten Prostatakrebses vollständig entfernt (radikale Prostatektomie), zählen Harninkontinenz und Erektionsstörungen zu den häufigen Folgen des Eingriffs[1].

Darüber hinaus kann ein Training bei einer Reizblase mit häufigem, plötzlichem Harndrang (Dranginkontinenz), nach anderen Operationen im Bereich von Harntrakt oder Prostata sowie bei chronischen Schmerzen im Beckenbereich sinnvoll sein. Auch nach einem operativen Eingriff im Bereich des Harntrakts oder der Prostata ist Beckenbodentraining eine Möglichkeit, um die Kontinenz zu fördern[3].

Welche Ursache hinter den Beschwerden steckt, sollte zuvor ärztlich geklärt werden. Denn nicht jede Form von Harnverlust spricht gleich gut auf ein Beckenbodentraining an, und die Behandlung wird individuell abgestimmt.

Nicht nur Inkontinenz: wenn der Beckenboden schmerzt

Beim Beckenboden des Mannes denken viele zuerst an Blasenschwäche. Er kann aber auch Beschwerden ganz anderer Art verursachen. Ist die Muskulatur nicht zu schwach, sondern im Gegenteil dauerhaft verspannt und zu fest, kann das zu Druck-, Zug- oder Schmerzgefühlen im Damm, im Beckenboden, im Unterbauch oder beim längeren Sitzen führen. Fachleute fassen solche anhaltenden Beschwerden unter dem Begriff chronischer Beckenschmerz zusammen; auch nach Operationen im Beckenbereich können sie auftreten.

Für die Behandlung ist entscheidend, zuerst zu klären, ob der Beckenboden zu schwach oder zu angespannt ist — denn beides braucht das Gegenteil: einmal gezieltes Kräftigen, einmal bewusstes Lösen und Entspannen. Ein reines Anspannungstraining kann einen ohnehin verspannten Beckenboden sogar weiter reizen und die Schmerzen verstärken. Deshalb steht am Anfang immer ein sorgfältiger Befund. Mehr zu diesem Beschwerdebild lesen Sie im Beitrag über den verspannten Beckenboden.

Warum gerade nach einer Prostata-Operation?

Im Bereich der Prostata liegen Strukturen, die den Verschluss der Harnröhre mitsteuern. Bei einer radikalen Prostatektomie können der innere Schließmechanismus, der Blasenhals oder der hintere Abschnitt der Harnröhre verändert oder geschädigt werden, was eine Belastungsinkontinenz begünstigen kann[2].

Fällt dieser innere Anteil des Verschlusses weg oder ist er geschwächt, muss der äußere Schließmuskel mit dem umgebenden Beckenboden mehr Verschlussarbeit übernehmen. Genau hier setzt das Training an: Es soll diese Muskulatur kräftigen und die bewusste Ansteuerung verbessern, damit der Verschluss im Alltag wieder zuverlässiger gelingt.

In den ersten Wochen und Monaten nach der Operation ist ein gewisser Grad an unwillkürlichem Harnverlust nicht ungewöhnlich. Bei vielen Männern bessert sich die Situation mit der Zeit, und ein begleitendes Training kann diesen Prozess unterstützen.

Was die Forschung zeigt

Beckenbodentraining ist die zentrale konservative Maßnahme bei einer Belastungsinkontinenz nach Prostata-Operation und wird idealerweise mit fachlicher Anleitung und bei Bedarf mit Biofeedback durchgeführt. Beim Biofeedback wird die Muskelspannung gemessen, sodass Betroffene Schwachstellen der Beckenbodenmuskulatur besser spüren und gezielt daran arbeiten können[3].

Die Studienlage ist allerdings gemischt: Eine Cochrane-Übersichtsarbeit zu konservativen Maßnahmen nach Prostata-Operation kommt zu dem Ergebnis, dass der Nutzen je nach Studie unterschiedlich ausfällt und die Sicherheit der Belege oft gering ist; ein klarer, dauerhafter Vorteil lässt sich nicht für alle Männer belegen[5]. Mehrere Auswertungen deuten darauf hin, dass das Training vor allem die frühe Rückkehr der Kontinenz beschleunigen kann.

Wichtig ist daher eine ehrliche Erwartung: Ein gezieltes Training kann die Kontinenz unterstützen und die belastende Phase verkürzen, ein garantiertes Ergebnis gibt es aber nicht. Physiotherapie ersetzt keine urologische Behandlung, sondern ergänzt sie.

Wie das Training abläuft

Am Anfang steht die richtige Wahrnehmung: Viele Männer müssen erst lernen, die tiefe Beckenbodenmuskulatur gezielt anzusteuern, statt Bauch, Gesäß oder Oberschenkel mitzuspannen. Hilfreich ist die Vorstellung, den Harnstrahl anzuhalten oder den After leicht anzuheben, ohne dabei zu pressen oder die Luft anzuhalten[4].

Entscheidend ist die Qualität, nicht die Menge: Wenige saubere, kontrollierte Anspannungen mit bewusster Entspannung dazwischen bringen mehr als viele hastige Wiederholungen[4]. Unter Anleitung lässt sich am sichersten herausfinden, ob die Ansteuerung wirklich stimmt — eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut hilft, die richtige Technik anzuwenden und passende Übungen zu erlernen[3]. Bei Bedarf macht Biofeedback die Muskelaktivität sichtbar und erleichtert es gerade am Anfang, ein Gefühl für die feine Spannungssteuerung zu bekommen.

Ist diese Grundlage einmal gelegt, wird das Training schrittweise alltagstauglich aufgebaut, sodass die Muskulatur die Belastungen des täglichen Lebens wieder zuverlässig mit abfangen kann.

Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Bevor Sie mit einem Beckenbodentraining beginnen, sollten die Ursache der Beschwerden ärztlich abgeklärt und das Training ärztlich freigegeben sein. Das gilt besonders nach einer Operation, weil hier der zeitliche Rahmen und die Belastbarkeit individuell festgelegt werden.

Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, wenn Blut im Urin auftritt, wenn Sie Schmerzen beim Wasserlassen oder im Beckenbereich haben oder wenn Fieber hinzukommt. Auch eine plötzliche Verschlechterung, ein völliger Harnverhalt oder stark zunehmender Harnverlust gehören ärztlich beurteilt.

Physiotherapie ist eine sinnvolle Ergänzung, aber kein Ersatz für die urologische Behandlung. Bei anhaltenden oder ausgeprägten Beschwerden bespricht die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt, welche weiteren Schritte infrage kommen. Auch danach begleite ich Sie gern: In meiner Praxis in Forchheim helfe ich Ihnen, Ihren Beckenboden überhaupt zu spüren und gezielt anzusteuern, denn das ist die Grundlage für jeden Fortschritt. Auf Wunsch und bei Eignung setze ich Biofeedback ein, um die Muskelaktivität sichtbar zu machen, und baue die Übungen Schritt für Schritt alltagstauglich auf. Mir ist eine würdevolle, respektvolle Begleitung wichtig: Sie geben das Tempo vor, und ich stimme das Vorgehen eng mit Ihrer ärztlichen oder urologischen Behandlung ab.

Was Sie selbst tun können

Der wichtigste erste Schritt ist, den Beckenboden überhaupt bewusst wahrzunehmen. Weil diese Muskelgruppe tief im Inneren liegt und im Alltag selten gezielt benutzt wird, fällt es vielen Männern zunächst schwer, sie von Bauch, Gesäß und Oberschenkeln zu unterscheiden. Nehmen Sie sich daher in Ruhe Zeit, ein Gefühl für diese Region zu entwickeln, bevor Sie sie kräftiger fordern.

Im Alltag können Sie selbst viel beachten, ohne ein festes Übungsprogramm zu absolvieren. Atmen Sie beim Heben oder Tragen schwerer Lasten bewusst aus, statt die Luft anzuhalten und nach unten zu pressen, denn dauerhaftes Pressen belastet den Beckenboden zusätzlich. Gleichzeitig hilft es, ihn nicht ständig unbewusst angespannt zu halten: Ein Muskel, der nie loslässt, ermüdet und verspannt mit der Zeit.

Entscheidend ist die richtige Balance, und die hängt davon ab, was bei Ihnen im Vordergrund steht. Geht es um eine Schwäche, hilft behutsames, sauber ausgeführtes Kräftigen weiter. Stehen dagegen Verspannung und Schmerz im Vordergrund, ist nicht mehr Anspannung gefragt, sondern bewusstes Loslassen und Entspannen; verkrampftes, ehrgeiziges Trainieren kann die Beschwerden in diesem Fall sogar verstärken. Spüren Sie also genau hin, ob Ihnen Anspannen oder eher Lösen guttut.

Geben Sie sich vor allem Zeit. Spürbare Veränderungen stellen sich meist erst nach mehreren Wochen regelmäßiger, geduldiger Übung ein, und kleine, gut ausgeführte Einheiten bringen mehr als seltene, hastige Kraftakte. Wie Sie Ihren Beckenboden sanft und alltagsnah ansteuern können, zeigen Ihnen die folgenden Übungen Schritt für Schritt.

Übungen für zu Hause

Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.

Das rät Serena Sievers

Mein Rat: Lassen Sie die Ursache Ihrer Beschwerden zuerst ärztlich abklären und das Training freigeben, besonders nach einer Operation. Beginnen Sie dann lieber mit wenigen, sauber ausgeführten Anspannungen als mit vielen hastigen, und geben Sie sich einige Wochen Zeit. Scheuen Sie sich nicht, das Thema anzusprechen, denn der Beckenboden betrifft Männer genauso wie Frauen. Warnzeichen, bei denen Sie nicht trainieren, sondern ärztlichen Rat suchen sollten, sind Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen oder im Becken, Fieber sowie ein plötzlicher Harnverhalt oder stark zunehmender Harnverlust.

Häufige Fragen

Haben Männer überhaupt einen Beckenboden?

Ja. Auch beim Mann bildet der Beckenboden den unteren Abschluss des Beckens. Er stützt Blase und Darm, hilft beim Verschluss von Harnröhre und After und ist an Kontinenz und Sexualfunktion beteiligt. Das Thema wird oft nur Frauen zugeschrieben, betrifft aber beide Geschlechter.

Hilft Beckenbodentraining sicher gegen Inkontinenz nach Prostata-OP?

Ein gezieltes, angeleitetes Training kann die Rückkehr der Kontinenz unterstützen, vor allem in der frühen Phase nach der Operation. Ein garantiertes Ergebnis gibt es jedoch nicht, und die Studienlage ist gemischt. Es ersetzt keine urologische Behandlung, sondern ergänzt sie.

Wie lange dauert es, bis sich etwas tut?

Das ist individuell verschieden. Meist braucht es mehrere Wochen regelmäßigen Übens, bis sich ein spürbarer Effekt einstellt. Entscheidend sind saubere, kontrollierte Wiederholungen und Geduld, nicht möglichst viele hastige Anspannungen.

Was ist Biofeedback und brauche ich es?

Beim Biofeedback wird die Muskelspannung gemessen und sichtbar gemacht, sodass Sie Ihren Beckenboden besser wahrnehmen und gezielt ansteuern können. Es ist nicht zwingend notwendig, kann das Training aber gerade am Anfang erleichtern. Ob es für Sie sinnvoll ist, klären wir gemeinsam.

Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?

Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:

Serena Sievers
Verfasst & fachlich geprüft von

Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.

Quellen
  1. Gesundheitsinformation.de (IQWiG): Örtlich begrenzter Prostatakrebs
  2. MSD Manual (Ausgabe für medizinische Fachkreise): Harninkontinenz bei Erwachsenen
  3. Gesundheitsportal des österreichischen Gesundheitsministeriums (gesundheit.gv.at): Behandlung von Harninkontinenz
  4. NHS (University Hospitals Sussex): Male pelvic floor exercises
  5. Cochrane: Conservative interventions for managing urinary incontinence after prostate surgery