Beckenbodenschwäche & leichte Inkontinenz (Schwäche der Beckenbodenmuskulatur)
Eine Schwäche des Beckenbodens zeigt sich oft als ungewollter Urinverlust beim Husten, Lachen oder Heben und als Druckgefühl im Unterleib. Der Beckenboden ist eine Muskelplatte, die wir wieder gezielt trainieren können – und genau das ist die wirksamste erste Maßnahme. Ich erkläre Ihnen hier verständlich und ohne falsche Scham, woher die Beschwerden kommen, was Sie selbst tun können und wie ich Sie mit Physiotherapie begleite.

Worum geht es?
Der Beckenboden ist eine Muskel- und Bindegewebsplatte, die unser Becken nach unten abschließt. Er trägt die inneren Organe, hält Blase und Darm verschlossen und gibt dem Rumpf zusammen mit Bauch und Rücken Stabilität. Wie jeder andere Muskel kann auch der Beckenboden an Kraft und Spannung verlieren.
Lässt diese Spannung nach, sprechen wir von einer Beckenbodenschwäche. Eine häufige Folge ist die sogenannte Belastungsinkontinenz: Bei plötzlichem Druck im Bauchraum – beim Husten, Niesen, Lachen, Heben oder Springen – entweicht ungewollt etwas Urin. Daneben können ein Druck- oder Schweregefühl nach unten und ein unsicheres Gefühl im Beckenbereich auftreten.
Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form der Blasenschwäche bei Frauen und betrifft weit mehr Menschen, als offen darüber gesprochen wird[1]. Mir ist wichtig, dass Sie wissen: Das ist nichts, wofür man sich schämen müsste, und in vielen Fällen lässt es sich durch gezieltes Training deutlich bessern[3].
Ursachen: Wie entsteht eine Beckenbodenschwäche?
Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Schwangerschaft und Geburt belasten den Beckenboden stark, weil das Gewebe gedehnt und beansprucht wird. Auch die hormonelle Umstellung in den Wechseljahren kann das Bindegewebe nachgiebiger machen und die Muskelspannung verringern.
Begünstigend wirken außerdem Übergewicht, schweres Heben, chronischer Husten oder dauerhaftes Pressen beim Stuhlgang, weil der Beckenboden dann immer wieder hohem Druck standhalten muss. Bewegungsmangel und eine insgesamt schwache Rumpfmuskulatur spielen ebenfalls eine Rolle, denn Beckenboden, Bauch und Rücken arbeiten als Team.
Die Leitlinie der Fachgesellschaften nennt deshalb Maßnahmen wie eine Gewichtsregulierung, ausreichend Bewegung und ein gezieltes Beckenbodentraining als wichtige Bausteine der konservativen Behandlung[1]. Das Ermutigende daran: Viele dieser Faktoren lassen sich beeinflussen.
Typische Symptome
Das bekannteste Zeichen ist der ungewollte Urinverlust bei körperlicher Belastung – also beim Husten, Lachen, Niesen, Treppensteigen oder beim Tragen schwerer Taschen. Anfangs sind es oft nur einzelne Tropfen, die jedoch im Alltag belasten und verunsichern können.
Manche Frauen spüren zusätzlich ein Druck- oder Fremdkörpergefühl nach unten, vor allem nach längerem Stehen oder gegen Abend. Auch ein häufiger, plötzlicher Harndrang oder das Gefühl, die Blase nicht vollständig zu entleeren, können vorkommen.
Wenn sich etwas im Scheidenbereich nach unten vorwölbt, kann eine Senkung von Blase oder Gebärmutter dahinterstecken. Solche Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, lassen sich aber häufig ebenfalls gut konservativ mit Beckenbodentraining begleiten[2].
Was Sie selbst tun können
Der wichtigste und am besten belegte Schritt ist ein regelmäßiges Beckenbodentraining. Eine große Auswertung wissenschaftlicher Studien zeigt, dass Frauen mit Belastungsinkontinenz durch ein solches Training ihre Beschwerden deutlich bessern oder ganz loswerden können – es gehört zur ersten Wahl der konservativen Behandlung[3].
Zunächst geht es darum, den Beckenboden überhaupt bewusst zu spüren. Stellen Sie sich vor, Sie würden den Harnstrahl und gleichzeitig den Darmausgang sanft nach innen und oben ziehen, ohne dabei Bauch, Gesäß oder Oberschenkel anzuspannen und ohne die Luft anzuhalten. Diese Anspannung kurz halten, dann bewusst loslassen. Wichtig sind die regelmäßige Übung und das vorherige korrekte Erlernen[2].
Hilfreich sind außerdem ein gesundes Körpergewicht, ballaststoffreiche Ernährung und ausreichendes Trinken gegen harten Stuhlgang sowie das Heben aus den Beinen statt aus dem Rumpf. Trinken Sie nicht zu wenig – das reizt die Blase eher. Welche Übungen für Sie passen und ob Sie den richtigen Muskel ansteuern, prüfen wir am besten gemeinsam, denn viele spannen anfangs unbemerkt die falschen Muskeln an.
Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.
Wie ich Sie unterstütze
Bei der Physiotherapie nehme ich mir zuerst Zeit für ein vertrauliches Gespräch und eine sorgfältige Einschätzung Ihrer Situation. Gemeinsam finden wir heraus, in welchen Momenten die Beschwerden auftreten und wie gut Sie Ihren Beckenboden bereits ansteuern können.
Mein Schwerpunkt liegt darauf, dass Sie den Beckenboden zuerst sicher wahrnehmen und korrekt anspannen lernen – das ist die Grundlage für ein wirksames Training. Darauf baue ich ein individuelles Übungsprogramm auf, das Kraft, Ausdauer und das schnelle Reagieren des Muskels bei Husten oder Niesen schult und Bauch sowie Rücken einbezieht.
Mir ist wichtig, dass Sie die Übungen in Ihren Alltag einbauen können, denn Regelmäßigkeit entscheidet über den Erfolg. Geben Sie dem Training einige Wochen Zeit. Zeigen sich eine Senkung, anhaltender Harndrang oder andere unklare Beschwerden, stimme ich mich mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Arzt ab, damit Sie umfassend versorgt sind.
Wann ärztlich abklären?
Bevor Sie ein Training beginnen, ist eine ärztliche oder physiotherapeutische Einschätzung sinnvoll, um die Ursache einzuordnen und andere Erkrankungen auszuschließen. Das gilt besonders, wenn die Beschwerden neu auftreten oder sich rasch verstärken.
Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, wenn Blut im Urin auftritt, das Wasserlassen schmerzt oder brennt, Sie Fieber bekommen oder sich etwas im Scheidenbereich tastbar nach unten wölbt. Auch plötzlicher, sehr starker Harndrang mit unwillkürlichem Urinverlust gehört abgeklärt.
Treten zusätzlich Taubheitsgefühle im Reit- oder Sattelbereich, eine Schwäche in den Beinen oder ein plötzlicher Verlust der Kontrolle über Blase und Darm auf, ist das ein Warnzeichen, das sofort ärztlich untersucht werden muss.
Mein wichtigster Rat: Schämen Sie sich nicht und warten Sie nicht zu lange. Je früher wir mit gezieltem Training beginnen, desto besser stehen die Chancen. Sehr viele Frauen erleben in meiner Praxis spürbare Verbesserungen, wenn sie konsequent dranbleiben.
Üben Sie lieber kurz und regelmäßig als selten und lang. Drei kleine Übungseinheiten über den Tag verteilt bringen mehr als eine einzige große. Und halten Sie beim Anspannen niemals die Luft an, sondern atmen Sie ruhig weiter.
Häufige Fragen
Ist leichter Urinverlust beim Husten normal?
Häufig ja – er ist weit verbreitet, aber kein unveränderliches Schicksal. Belastungsinkontinenz lässt sich durch ein gezieltes Beckenbodentraining in vielen Fällen deutlich bessern oder ganz beheben. Sprechen Sie das Thema ruhig offen an, damit wir früh ansetzen können.
Wie lange dauert es, bis Beckenbodentraining wirkt?
Das ist individuell verschieden. Wichtig sind regelmäßiges Üben und der korrekte Bewegungsablauf nach vorheriger Anleitung. Bleiben Sie über mehrere Wochen konsequent dran, dann lässt sich der Beckenboden in der Regel spürbar kräftigen.
Finde ich den richtigen Muskel von allein?
Viele Frauen spannen anfangs unbemerkt Bauch, Po oder Oberschenkel an statt den Beckenboden. Deshalb lohnt sich eine fachliche Anleitung. In meiner Praxis prüfe ich mit Ihnen, ob Sie den richtigen Muskel ansteuern, damit Ihr Training auch wirkt.
Hilft Beckenbodentraining auch bei einer Senkung?
Bei einer leichten Senkung von Blase oder Gebärmutter kann ein Beckenbodentraining unterstützend wirken und Beschwerden lindern. Eine Senkung sollte aber ärztlich eingeordnet werden, damit die Behandlung zu Ihrer Situation passt.
Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?
Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.





