Schambeinschmerzen in der Schwangerschaft (Symphysenlockerung)
Bei einer Symphysenlockerung schmerzt das vordere Becken am Schambein – ausgelöst durch die natürliche Lockerung der Beckengelenke in der Schwangerschaft. Mit Stabilisation, Entlastung und gezielter Beratung können wir die Beschwerden lindern und Ihren Alltag erleichtern. Ich erkläre Ihnen hier, woher der Schmerz kommt, was Sie selbst tun können und wie ich Sie mit Physiotherapie begleite.

Worum geht es?
Die Symphyse ist die knorpelige Verbindung der beiden Schambeinknochen vorn am Becken. Normalerweise ist sie sehr stabil und lässt nur minimale Bewegung zu. In der Schwangerschaft wird dieses Gewebe durch hormonelle Einflüsse weicher, damit das Becken für die Geburt nachgiebiger wird.
Diese erwünschte Lockerung kann jedoch dazu führen, dass die Symphyse instabiler wird und schmerzt – man spricht von einer Symphysenlockerung. Fachlich zählt sie zu den Beckengürtelschmerzen in der Schwangerschaft, also Schmerzen rund um die Gelenke des Beckens. Davon ist etwa eine von fünf Schwangeren betroffen[1].
Mir ist wichtig zu betonen: So unangenehm der Schmerz auch ist, er schadet Ihrem Kind nicht, und die Beschwerden lassen sich in jeder Phase der Schwangerschaft behandeln[1]. Nach der Geburt bilden sie sich meist von selbst zurück, da das Gewebe wieder fester wird.
Ursachen: Wie entsteht die Symphysenlockerung?
Im Mittelpunkt steht die hormonell bedingte Lockerung der Bänder und der knorpeligen Symphyse. Sie bereitet das Becken auf die Geburt vor, macht die vordere Beckenverbindung dabei aber weniger stabil und empfindlicher gegenüber Belastung[1].
Hinzu kommt das wachsende Gewicht des Kindes und die veränderte Statik: Das Becken muss mehr tragen, und die Gelenke werden bei Bewegungen ungleichmäßig belastet. Beschwerden entstehen vor allem, wenn sich die beiden Beckenhälften gegeneinander bewegen, etwa beim Gehen oder beim Stehen auf einem Bein[1].
Begünstigend wirken eine vorbestehende Beckeninstabilität, frühere Beckengürtelschmerzen, mehrere Schwangerschaften sowie körperlich belastende Tätigkeiten. Häufig kommen mehrere dieser Faktoren zusammen, sodass die Symphyse den ungewohnten Belastungen nicht mehr beschwerdefrei standhält.
Typische Symptome
Im Vordergrund steht ein Schmerz vorn am Schambein, der bis in die Leiste, die Innenseite der Oberschenkel oder den Damm ausstrahlen kann. Viele Frauen können recht genau auf die schmerzhafte Stelle in der Mitte des vorderen Beckens zeigen.
Charakteristisch ist, dass bestimmte Bewegungen den Schmerz auslösen oder verstärken: das Gehen, Treppensteigen, Aufstehen, das Drehen im Bett oder Bewegungen, bei denen Sie die Beine spreizen, etwa beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto[1]. Manche bemerken auch ein hör- oder spürbares Reiben im Schambereich[2].
Die Beschwerden können von leicht bis stark reichen und den Alltag deutlich einschränken. Sie betreffen nicht selten zusätzlich den hinteren Beckenbereich über den Iliosakralgelenken, da das Becken als Ring zusammenarbeitet. Mit gezielter Behandlung lassen sie sich in der Regel gut lindern[1].
Was Sie selbst tun können
Der Schlüssel liegt darin, das Becken zu entlasten und ruckartige, einseitige Belastungen zu vermeiden. Bewegen Sie beim Aufstehen, Umdrehen und Hinsetzen die Beine möglichst gleichmäßig und geschlossen, halten Sie die Knie beim Umdrehen im Bett zusammen und vermeiden Sie weites Spreizen der Beine[1].
Gönnen Sie sich regelmäßige Pausen, verteilen Sie Lasten gleichmäßig auf beide Seiten und meiden Sie schmerzhafte Bewegungen. Hilfreich kann ein vom Fachpersonal angepasster Beckengurt sein, der die Symphyse stützt und entlastet. Beckenschonende Bewegung wie Schwimmen tut vielen Frauen gut[3].
Übungen, die die rumpf- und beckenstabilisierende Muskulatur sanft kräftigen, können die Beckengelenke besser führen und Schmerzen lindern[1]. Welche Übungen und Hilfen für Sie geeignet sind, sollten wir gemeinsam abstimmen, damit Sie nichts überlasten und sich sicher bewegen.
Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.
Wie ich Sie unterstütze
In der Behandlung beginne ich mit einer sorgfältigen Untersuchung, um die Symphyse als Schmerzquelle einzuordnen und zu beurteilen, wie stabil Ihr Becken bei verschiedenen Bewegungen arbeitet. So kann ich die Behandlung genau auf Ihre Situation abstimmen.
Im Vordergrund stehen Entlastung und Stabilisation: Ich zeige Ihnen beckenschonende Bewegungsabläufe für den Alltag, leite Sie zu gezielten, sanften Stabilisationsübungen für Rumpf und Becken an und kann mit sanften Techniken verspannte Muskulatur lockern. Bei Bedarf berate ich Sie zur Anpassung eines stützenden Beckengurts.
Mein Ziel ist, dass Sie sich trotz der Beschwerden sicherer bewegen und Ihren Alltag besser bewältigen können. Da die geburtshilfliche Betreuung an erster Stelle steht, arbeite ich eng mit Ihrer Frauenärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Hebamme zusammen, besonders wenn die Schmerzen stark sind oder zunehmen.
Wann ärztlich abklären?
Beckengürtelschmerzen in der Schwangerschaft sollten ärztlich oder durch die Hebamme eingeordnet werden, damit die Behandlung früh beginnen kann – je früher, desto besser stehen die Aussichten auf Linderung[1]. Physiotherapie ergänzt diese Betreuung, ersetzt sie aber nicht.
Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, wenn die Schmerzen sehr stark werden, Sie kaum noch gehen oder stehen können, der Schmerz von Fieber begleitet wird oder Taubheitsgefühle, Kribbeln oder eine Schwäche in den Beinen auftreten.
Wenden Sie sich sofort an die geburtshilfliche oder ärztliche Versorgung bei Warnzeichen wie vaginalen Blutungen, plötzlichem Flüssigkeitsabgang, einer deutlichen Abnahme der Kindsbewegungen oder einem plötzlichen Verlust der Kontrolle über Blase und Darm.
Ich rate Ihnen, die Beine im Alltag möglichst geschlossen zu führen: zum Umdrehen im Bett die Knie zusammenhalten, beim Einsteigen ins Auto erst auf dem Sitz Platz nehmen und dann beide Beine gemeinsam nachziehen. Diese kleinen Tricks entlasten die Symphyse spürbar.
Mein zweiter Rat: Warten Sie nicht ab, sondern sprechen Sie die Beschwerden früh an. Je eher wir mit Entlastung und sanfter Stabilisation beginnen, desto besser lässt sich der Alltag meistern. Und denken Sie daran – nach der Geburt bilden sich die Beschwerden meist von selbst zurück.
Häufige Fragen
Schadet eine Symphysenlockerung meinem Baby?
Nein. So schmerzhaft die Symphysenlockerung für Sie sein kann, sie schadet Ihrem Kind nicht. Die Beschwerden lassen sich zudem in jeder Phase der Schwangerschaft behandeln, und je früher das geschieht, desto besser.
Verschwinden die Schmerzen nach der Geburt wieder?
Meist ja. Wenn das gelockerte Gewebe nach der Geburt allmählich wieder fester wird, bilden sich die Beschwerden in der Regel zurück. Gezielte Übungen und eine begleitende Physiotherapie können diesen Prozess unterstützen.
Hilft ein Beckengurt bei Symphysenschmerzen?
Ein passend angepasster Beckengurt kann die Symphyse stützen, das Becken entlasten und so Schmerzen lindern und Bewegungen erleichtern. Ob und welcher Gurt für Sie geeignet ist, besprechen wir am besten gemeinsam.
Welche Bewegungen sollte ich vermeiden?
Vermeiden Sie ruckartige und einseitige Belastungen sowie weites Spreizen der Beine, etwa beim Ein- und Aussteigen aus dem Auto. Führen Sie die Beine möglichst geschlossen und gleichmäßig und meiden Sie Bewegungen, die den Schmerz auslösen.
Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?
Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.



