Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints)
Belastungsschmerz am inneren Schienbein beim Laufen — eine der häufigsten Beschwerden bei Läuferinnen und Läufern.

Worum geht es?
Das Schienbeinkantensyndrom — englisch „Shin Splints", fachlich mediales tibiales Stresssyndrom (MTSS) — bezeichnet einen belastungsabhängigen Schmerz entlang der inneren Schienbeinkante[1]. Typischerweise zieht der Schmerz über einen längeren Abschnitt des Unterschenkels und tritt beim Laufen oder Springen auf. Die Begriffe Schienbeinkantensyndrom, MTSS und Shin Splints meinen dabei im Wesentlichen dasselbe.
Es zählt zu den häufigsten Überlastungsbeschwerden im Laufsport: Untersuchungen gehen davon aus, dass rund 13 bis 17 Prozent der Laufenden im Lauf ihres Sportlebens davon betroffen sind[2]. Es trifft sowohl ambitionierte Sportlerinnen und Sportler als auch Freizeitläufer — oft nach einem zu schnellen Trainingsaufbau.
Gerade bei uns sehe ich das häufig im Frühjahr, wenn viele nach dem Winter mit voller Energie wieder ins Lauftraining starten. Die gute Nachricht: Das Schienbeinkantensyndrom ist in aller Regel eine gutartige Überlastung, die sich mit der richtigen Belastungssteuerung gut bessern lässt — Geduld vorausgesetzt.
Wie entsteht es?
Die genaue Ursache ist noch nicht abschließend geklärt. Als wichtigster Mechanismus gilt eine Überlastung des Übergangs zwischen Muskel, Sehne und Knochenhaut am Schienbein: Wird der Knochen schneller und stärker belastet, als er sich anpassen kann, reagiert das Gewebe mit einer Reizung[1]. Knochen und Sehnen passen sich an Belastung an — aber langsamer, als viele denken, und genau hier entsteht das Problem.
Begünstigend wirken vor allem eine zu rasche Steigerung von Trainingsumfang oder -intensität, harte Laufuntergründe, abgenutzte oder ungeeignete Schuhe sowie Fuß- und Beinachsenstellungen wie ausgeprägte Knick-Senkfüße[2][3]. Auch eine schwache oder wenig ausdauernde Wadenmuskulatur und eine ungünstige Lauftechnik können eine Rolle spielen.
In den meisten Fällen, die mir begegnen, kommt mehreres zusammen: ein zu ehrgeiziger Trainingsplan, dazu der harte Asphalt und vielleicht ein Laufschuh, der seine beste Zeit hinter sich hat. Das ist eine wichtige Erkenntnis, denn sie zeigt: An den Auslösern lässt sich meist aktiv etwas ändern.
Typische Symptome
Charakteristisch ist ein diffuser, drückend-ziehender Schmerz an der inneren Schienbeinkante, der zu Beginn der Belastung auftritt, sich anfangs beim Weiterlaufen manchmal noch „einläuft" und in Ruhe wieder nachlässt[1]. Das Schienbein ist auf Druck über eine längere Strecke empfindlich.
Schreitet die Überlastung fort, kommt der Schmerz früher, hält länger an und tritt schließlich auch bei alltäglicher Belastung auf. Das ist ein wichtiges Warnsignal, die Belastung deutlich zurückzunehmen[3].
Was Sie selbst tun können
Der wichtigste Schritt ist, die schmerzauslösende Belastung zu reduzieren — nicht zwingend komplett zu pausieren, aber das Training so zu dosieren, dass es weitgehend schmerzfrei bleibt[3]. Halten Sie sich in dieser Phase mit gelenkschonenden Alternativen wie Schwimmen oder Radfahren fit[3]. So verlieren Sie keine Kondition, während sich das gereizte Gewebe beruhigt.
Kühlen kann den Reizzustand kurzfristig lindern, vor allem nach Belastung. Achten Sie außerdem auf gut gedämpfte, nicht abgenutzte Laufschuhe und weichere Untergründe wie Waldboden statt Asphalt[3]. Wenn Sie wissen, dass Ihre Laufschuhe schon viele hundert Kilometer hinter sich haben, ist das oft ein lohnender Ansatzpunkt.
Der Wiedereinstieg sollte schrittweise erfolgen — lieber Umfang und Tempo in kleinen Schritten steigern und immer nur eines davon auf einmal, denn ein zu schneller Aufbau ist die häufigste Ursache für einen Rückfall[2]. Ein bewährter Grundsatz lautet, den Wochenumfang um nicht mehr als rund zehn Prozent zu erhöhen. Hören Sie dabei auf Ihren Körper: Solange es weitgehend schmerzfrei bleibt, sind Sie auf einem guten Weg.
Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.
Wie wir Ihnen helfen
In meiner täglichen Arbeit schauen wir uns gemeinsam an, was die Überlastung begünstigt — von der Wadenmuskulatur über die Fuß- und Beinachse bis zu Ihrem Trainingsaufbau. Über die Sportphysiotherapie planen wir dann einen abgestuften Belastungsaufbau, der Sie kontrolliert zurück ins Laufen bringt.
Mit gezielter Krankengymnastik kräftigen wir Waden- und Fußmuskulatur und verbessern die Stabilität, damit Ihr Unterschenkel die Laufbelastung wieder besser wegsteckt. Bei stark verspanntem Gewebe können eine klassische Massage oder Übungen mit der Blackroll begleitend für Entlastung sorgen, ergänzend kann ein Kinesio-Tape die Wahrnehmung und das Wohlbefinden unterstützen.
Auf Wunsch schaue ich mir auch Ihre Lauftechnik an und gebe Ihnen konkrete Hinweise für den Wiedereinstieg, die zu Ihrem Trainingsziel passen. So lässt sich die Reizung in der Regel gut bessern — entscheidend bleibt aber die Geduld beim Belastungsaufbau. Sollte der Schmerz trotz aller Maßnahmen sehr punktuell bleiben oder nicht nachlassen, rate ich Ihnen zur ärztlichen Abklärung, um eine Ermüdungsfraktur sicher auszuschließen[3].
Wann ärztlich abklären?
Wenn der Schmerz trotz Belastungspause nicht besser wird, sich verschlimmert, sehr eng umschrieben und punktuell am Knochen sitzt oder auch nachts und in Ruhe da ist, sollten Sie ärztlichen Rat einholen[3]. Dann ist es wichtig, eine Ermüdungsfraktur (Stressfraktur) oder andere Ursachen abzugrenzen.
Ich rate Ihnen zur „10-Prozent-Regel": Steigern Sie Ihren wöchentlichen Laufumfang um höchstens etwa zehn Prozent. Die meisten Shin Splints, die mir begegnen, entstehen schlicht durch zu viel, zu schnell.
Bleiben Sie aktiv, aber wechseln Sie in der gereizten Phase auf Rad oder Schwimmen. Komplettes Nichtstun ist selten nötig — kluges Dosieren bringt Sie schneller zurück.
Häufige Fragen
Darf ich mit Shin Splints weiterlaufen?
In leichten Fällen oft ja, solange Sie unterhalb der Schmerzgrenze bleiben und die Belastung deutlich reduzieren. Nimmt der Schmerz zu, ist eine Pause sinnvoll [3].
Wie lange dauert die Genesung?
Das ist sehr unterschiedlich. Bei früher, konsequenter Belastungsanpassung bessert es sich oft über Wochen; bei fortgeschrittener Überlastung kann es deutlich länger dauern [2].
Helfen Einlagen oder andere Schuhe?
Gut gedämpfte, passende Laufschuhe und bei Bedarf Einlagen können entlasten und vorbeugen [3]. Sie ersetzen aber nicht den schrittweisen Belastungsaufbau.
Woran erkenne ich, dass mehr dahintersteckt?
Ein punktgenauer Knochenschmerz, Beschwerden in Ruhe oder nachts und ausbleibende Besserung sprechen für eine ärztliche Abklärung, etwa zum Ausschluss einer Stressfraktur [3].
Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?
Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.


