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Schmerzbereiche · Ellenbogen & Hand

Sulcus-ulnaris-Syndrom (Kubitaltunnelsyndrom)

Autorin  Serena Sievers Zuletzt aktualisiert: 14.06.2026

Kribbeln und Taubheit im Ring- und Kleinfinger, dazu ein ziehender Schmerz an der Innenseite des Ellenbogens: Das sind typische Zeichen für ein Sulcus-ulnaris-Syndrom, auch Kubitaltunnelsyndrom genannt. Dabei wird der Ellennerv (Nervus ulnaris) genau dort eingeengt, wo man sich beim Anstoßen den 'Musikantenknochen' prellt. In diesem Ratgeber erkläre ich Ihnen ruhig und verständlich, wie es dazu kommt, woran Sie es erkennen, wann ein Arztbesuch wichtig ist und wie Physiotherapie unterstützen kann.

Schmerzbereiche – Sulcus-ulnaris-Syndrom (Kubitaltunnelsyndrom)

Was ist das Sulcus-ulnaris-Syndrom?

Das Sulcus-ulnaris-Syndrom, fachlich auch Kubitaltunnelsyndrom genannt, ist eine Einengung des Ellennervs (Nervus ulnaris) am Ellenbogen. Dieser Nerv verläuft von der Schulter bis in die Hand und zieht auf der Innenseite des Ellenbogens durch eine knöcherne Rinne, den sogenannten Sulcus ulnaris. Direkt dahinter liegt der Kubitaltunnel, ein enger Kanal aus Knochen, Bändern und Bindegewebe. Genau an dieser Stelle liegt der Nerv nur knapp unter der Haut. Stößt man sich dort an, durchzuckt einen jenes unangenehme 'elektrische' Gefühl, das dem Bereich den volkstümlichen Namen 'Musikantenknochen' eingebracht hat.

Der Nervus ulnaris versorgt einen Teil der Hand mit Gefühl und steuert viele der kleinen Handmuskeln. Zuständig ist er vor allem für den Kleinfinger, die kleinfingerseitige Hälfte des Ringfingers und die äußere Handkante. Wird der Nerv im Kubitaltunnel dauerhaft gedrückt, gedehnt oder gereizt, kann er seine Signale nicht mehr ungestört weiterleiten. Die Folge sind Missempfindungen, später möglicherweise auch eine Schwäche der Handmuskeln.

Nach Angaben des MSD Manuals für Patienten ist das Kubitaltunnelsyndrom nach dem Karpaltunnelsyndrom das zweithäufigste Engpasssyndrom eines Nervs[1]. Beim Karpaltunnelsyndrom wird ein anderer Nerv am Handgelenk eingeengt; beim Sulcus-ulnaris-Syndrom ist es der Ellennerv am Ellenbogen. Die gute Nachricht: Gerade in früheren Stadien lässt sich oft schon mit einfachen Maßnahmen viel erreichen, bevor größere Schritte nötig werden.

Serena Sievers
Praxisinhaberin & Physiotherapeutin · Forchheim
Verfasst und fachlich geprüft von Serena Sievers
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Symptome

Typischerweise beginnt das Sulcus-ulnaris-Syndrom mit einem Kribbeln oder Taubheitsgefühl im Kleinfinger und im angrenzenden Teil des Ringfingers. Viele Betroffene beschreiben ein 'Eingeschlafensein' dieser Finger. Oft treten die Beschwerden zuerst nachts oder am frühen Morgen auf, vor allem wenn der Ellenbogen im Schlaf stark angewinkelt war. Auch längeres Telefonieren mit angewinkeltem Arm oder das Aufstützen auf den Ellenbogen kann die Missempfindungen auslösen.

Hinzu kommen häufig Schmerzen an der Innenseite des Ellenbogens, die manchmal in den Unterarm oder bis in die Hand ausstrahlen. Im Anfangsstadium kommen und gehen die Beschwerden noch. Bleibt der Druck auf den Nerv jedoch bestehen, können Taubheit und Kribbeln dauerhaft werden.

Schreitet die Einengung weiter fort, kann die Kraft in der Hand nachlassen. Da der Ellennerv den größten Teil der kleinen Handmuskeln steuert, fällt es dann zunehmend schwer, feine Bewegungen auszuführen, etwas fest zu greifen oder die Finger gespreizt zu halten. Manche Menschen bemerken, dass ihnen Gegenstände leichter aus der Hand fallen oder dass sich zwischen den Fingern Mulden bilden, weil die Muskeln schwinden. In sehr fortgeschrittenen Fällen kann sich eine sogenannte Krallenhand entwickeln. Solche Zeichen eines Kraftverlusts oder Muskelschwunds sind ein Signal, das ärztlich abgeklärt werden sollte, da hier oft nicht mehr abgewartet werden darf.

Ursachen & Risikofaktoren

An seiner empfindlichsten Stelle, dem Kubitaltunnel, ist der Ellennerv besonders verletzlich, weil er dort eng und ungeschützt verläuft. Beim Beugen des Ellenbogens wird der Nerv über den Knochen gespannt und der Kanal enger. Genau deshalb sind Haltungen und Tätigkeiten, bei denen der Arm lange stark angewinkelt ist, ein wichtiger Auslöser. Das MSD Manual nennt als typische Ursachen das ständige Aufstützen auf die Ellenbogen sowie das über längere Zeit gebeugte Halten des Ellenbogens[1].

Im Alltag gibt es viele solcher Situationen: das Aufstützen am Schreibtisch, auf der Armlehne im Auto oder auf dem Fensterbrett, das Schlafen mit angezogenen Armen, langes Telefonieren oder Arbeiten an Maschinen mit Druck auf die Ellenbogeninnenseite. Auch Tätigkeiten mit wiederholtem Beugen und Strecken oder mit Vibration können den Nerv reizen. Bei manchen Menschen rutscht der Nerv beim Beugen zudem aus seiner Rinne, was die Reizung verstärken kann.

Daneben spielen anatomische Gegebenheiten eine Rolle: Bei manchen Menschen ist der Kanal von Natur aus enger oder es liegen zusätzliche Bänder oder Muskelvarianten vor. Frühere Knochenbrüche oder Verletzungen am Ellenbogen, Arthrose, Schwellungen oder Zysten können den Platz im Kubitaltunnel zusätzlich einengen. Häufig kommen mehrere dieser Faktoren zusammen. Das erklärt auch, warum sich an den belastenden Gewohnheiten so viel ändern lässt, an der Anatomie selbst dagegen meist nicht.

Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Grundsätzlich gilt: Wenn Kribbeln, Taubheit oder Schmerzen im Bereich von Klein- und Ringfinger oder am Ellenbogen über mehrere Wochen anhalten oder immer wiederkehren, sollten Sie das ärztlich abklären lassen. Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser lässt sich gegensteuern, bevor der Nerv dauerhaft Schaden nimmt. Erste Anlaufstelle kann Ihre Hausarztpraxis sein, die bei Bedarf an die Neurologie, Orthopädie oder Handchirurgie weiterverweist.

Besonders wichtig ist ein zeitnaher Arztbesuch bei Warnzeichen, die auf eine stärkere Schädigung des Nervs hindeuten: ein zunehmender Kraftverlust in der Hand, Schwierigkeiten beim festen Zugreifen oder beim Spreizen der Finger, eine ständige (nicht mehr nur gelegentliche) Taubheit oder sichtbarer Muskelschwund mit Mulden zwischen den Fingern. Solche Befunde können darauf hinweisen, dass eine Operation sinnvoll oder nötig ist. Bei deutlichem oder fortschreitendem Muskelschwund sollte deshalb nicht lange abgewartet werden, da sich verlorene Muskelmasse später nicht immer vollständig zurückbildet.

Zur Diagnose erhebt die Ärztin oder der Arzt zunächst die Beschwerden und untersucht Arm und Hand. Um die Diagnose zu sichern und das Ausmaß einzuschätzen, wird häufig die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen (Elektroneurografie); ergänzend können Ultraschall oder eine Kernspintomografie (MRT) eingesetzt werden. Anhand dieser Befunde lässt sich besser einschätzen, ob zunächst eine konservative, also nicht operative Behandlung ausreicht oder ob ein Eingriff zu erwägen ist[2]. Diese Entscheidung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt gemeinsam mit Ihnen.

Was Sie selbst tun können

Bei leichteren Formen steht die konservative Behandlung im Vordergrund, und dabei können Sie selbst viel beitragen. Der wichtigste Hebel ist, den Druck und die Dauerbeugung am Ellenbogen zu verringern. Achten Sie tagsüber darauf, sich nicht länger auf die Ellenbogen aufzustützen, etwa am Schreibtisch oder im Auto. Eine weiche Polsterung der Ellenbogeninnenseite kann helfen, wenn sich Aufstützen nicht ganz vermeiden lässt. Beim Telefonieren bietet sich ein Headset oder die Lautsprecherfunktion an, damit der Arm nicht dauerhaft stark angewinkelt bleibt.

Viele Beschwerden treten nachts auf, weil der Ellenbogen im Schlaf oft stark gebeugt liegt. Hier kann es helfen, den Arm nachts möglichst gestreckt zu lagern. Manche Menschen wickeln dazu ein dickes Handtuch locker um den Ellenbogen oder nutzen eine vom Arzt empfohlene Lagerungsschiene, die ein zu starkes Abknicken verhindert. Eine solche nächtliche Lagerung in leichter Beugung gehört zu den gängigen konservativen Maßnahmen[2]. Welche Variante für Sie geeignet ist, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beziehungsweise mit mir in der Praxis.

Sinnvoll ist es außerdem, die auslösenden Bewegungen im Alltag bewusst zu beobachten und nach und nach umzustellen. Schonende Bewegung tut dem Nerv gut, dauerhaftes starkes Anwinkeln und Druck eher nicht. Wenn Sie unsicher sind, welche Übungen oder Anpassungen in Ihrem Fall passen, holen Sie sich fachliche Anleitung. Wichtig: Bemerken Sie trotz dieser Maßnahmen eine zunehmende Schwäche oder ein Schwinden der Handmuskeln, lassen Sie dies bitte zeitnah ärztlich abklären, statt weiter abzuwarten.

Wie ich Sie behandle

In meiner Praxis in Forchheim beginne ich mit einem ausführlichen Gespräch und einer körperlichen Untersuchung. Ich schaue mir an, in welchen Haltungen und bei welchen Bewegungen Ihre Beschwerden auftreten, prüfe Beweglichkeit und Kraft von Ellenbogen, Unterarm und Hand und beziehe Ihren Alltag mit ein. So können wir gemeinsam herausfinden, welche Gewohnheiten den Nerv reizen und an welchen Stellen sich etwas verändern lässt. Wenn ärztliche Befunde wie eine Messung der Nervenleitgeschwindigkeit vorliegen, beziehe ich diese selbstverständlich mit ein.

Ein Schwerpunkt der Krankengymnastik liegt auf der Nervenmobilisation, oft auch Nervengleiten genannt. Dabei führe ich Arm, Ellenbogen und Hand in sanften, gut dosierten Bewegungsfolgen, sodass der Ellennerv in seinem Kanal schonend gleiten kann, ohne ihn zu überdehnen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass solche bewegungsbasierten Techniken die konservative Behandlung des Kubitaltunnelsyndroms sinnvoll ergänzen können[3]. Ich zeige Ihnen geeignete Übungen so, dass Sie sie sicher und in der richtigen Dosierung zu Hause fortführen können.

Mit Manueller Therapie arbeite ich gezielt an Beweglichkeit und Spannung der umgebenden Strukturen. Verspannte Muskeln am Unterarm, eine eingeschränkte Beweglichkeit von Ellenbogen oder Handgelenk und Spannungen entlang des Nervenverlaufs bis zur Halswirbelsäule können den Nerv zusätzlich belasten. Durch sanfte Mobilisation und Weichteiltechniken lässt sich der Druck auf den Nerv günstig beeinflussen. Ergänzend stehen das Kräftigen geschwächter Handmuskeln und vor allem die Beratung im Mittelpunkt, wie Sie Aufstützen und Dauerbeugung im Alltag und nachts reduzieren.

Mir ist wichtig, ehrlich mit Ihnen zu sein: Physiotherapie kann bei leichteren Formen die Beschwerden lindern und Ihnen helfen, besser mit dem Alltag zurechtzukommen. Sie kann jedoch eine fortgeschrittene Nervenschädigung nicht in jedem Fall aufhalten. Deshalb arbeite ich eng mit Ihren behandelnden Ärztinnen und Ärzten zusammen. Sollten sich Warnzeichen wie ein zunehmender Kraftverlust oder Muskelschwund zeigen, rate ich Ihnen zu einer erneuten ärztlichen Abklärung, denn dann kann ein operativer Eingriff die bessere Wahl sein. Gemeinsam finden wir den Weg, der zu Ihnen und Ihrem Befund passt.

Das rät Serena Sievers

Mein wichtigster Rat aus der Praxis: Beobachten Sie über einige Tage, in welchen Momenten Ihre Finger kribbeln. Sehr oft steckt ständiges Aufstützen oder ein nachts stark angewinkelter Arm dahinter, und genau daran lässt sich etwas ändern. Wenn Sie aber merken, dass die Kraft in der Hand nachlässt, das Greifen schwerer fällt oder sich die Muskeln zwischen den Fingern zurückbilden, warten Sie bitte nicht ab, sondern lassen Sie das zeitnah ärztlich abklären. Solche Warnzeichen können bedeuten, dass eine Operation nötig ist, und je früher gehandelt wird, desto besser. Ich begleite Sie gern auf diesem Weg und stimme mich dafür eng mit Ihren Ärztinnen und Ärzten ab.

Häufige Fragen

Ist das Sulcus-ulnaris-Syndrom dasselbe wie das Karpaltunnelsyndrom?

Nein. Beim Sulcus-ulnaris-Syndrom (Kubitaltunnelsyndrom) wird der Ellennerv am Ellenbogen eingeengt, vor allem mit Beschwerden im Klein- und Ringfinger. Beim Karpaltunnelsyndrom ist ein anderer Nerv am Handgelenk betroffen, meist mit Beschwerden in Daumen, Zeige- und Mittelfinger. Es handelt sich also um zwei verschiedene Engpasssyndrome.

Warum sind ausgerechnet Kleinfinger und Ringfinger betroffen?

Der Ellennerv versorgt vor allem den Kleinfinger, die kleinfingerseitige Hälfte des Ringfingers und die äußere Handkante mit Gefühl. Wird er am Ellenbogen eingeengt, machen sich Kribbeln und Taubheit deshalb typischerweise zuerst in diesen Fingern bemerkbar.

Hilft eine Schiene und muss ich sie immer tragen?

Bei leichteren Formen kann eine nächtliche Lagerung des Arms in leichter Beugung helfen, ein starkes Abknicken im Schlaf zu vermeiden. Manchmal wird dafür eine Schiene empfohlen, manchmal genügt eine weiche Polsterung. Ob und welche Schiene für Sie sinnvoll ist und wie lange Sie sie tragen sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wann ist eine Operation nötig?

Eine Operation kommt vor allem dann infrage, wenn der Nerv stärker geschädigt ist, etwa bei zunehmendem Kraftverlust, dauerhafter Taubheit oder Muskelschwund, oder wenn konservative Maßnahmen nicht ausreichen. Diese Entscheidung trifft immer die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt nach genauer Untersuchung gemeinsam mit Ihnen.

Serena Sievers
Verfasst & fachlich geprüft von

Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.

Quellen
  1. MSD Manual, Ausgabe für Patienten: Kubitaltunnelsyndrom (Anatomie, Symptome, Ursachen, Diagnose und Behandlung)
  2. AWMF S3-Leitlinie 005-009: Diagnostik und Therapie des Kubitaltunnelsyndroms (Fachgesellschaften, Übersicht und Status)
  3. Coppieters MW et al.: Incorporating nerve-gliding techniques in the conservative treatment of cubital tunnel syndrome. J Manipulative Physiol Ther, 2004 (PubMed)