Achillessehnen-Beschwerden (Achillodynie)
Schmerz und Verdickung an der Achillessehne entstehen meist durch Überlastung. Mit dosiertem Wadentraining und Geduld lässt sich vieles bessern.

Worum geht es?
Die Achillessehne ist die kräftigste Sehne im Körper. Sie verbindet die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein und überträgt bei jedem Schritt enorme Kräfte. Bei der Achillodynie ist diese Sehne schmerzhaft gereizt, häufig im mittleren Abschnitt einige Zentimeter oberhalb der Ferse oder direkt am Ansatz am Fersenbein.
Lange Zeit sprach man von einer Achillessehnenentzündung. Heute weiß man, dass meist keine klassische Entzündung im Vordergrund steht, sondern ein Umbau- und Verschleißgeschehen im Sehnengewebe, ausgelöst durch wiederholte Überbeanspruchung[1]. Deshalb hat sich der neutralere Begriff Sehnenreizung oder Tendinopathie durchgesetzt. Für die Behandlung ist diese Unterscheidung wichtig, denn eine Sehne, die sich umbaut, profitiert vor allem von dosierter Belastung und weniger von reiner Schonung.
Man unterscheidet zwei Bereiche: die Beschwerden im mittleren Sehnenabschnitt einige Zentimeter über der Ferse und die am Sehnenansatz direkt am Fersenbein. Diese Einteilung spielt eine Rolle, weil sich die Übungen je nach Ort etwas unterscheiden, zum Beispiel beim Bewegungsumfang.
Ich möchte Ihnen gleich zu Beginn die Sorge nehmen: Eine gereizte Achillessehne ist sehr häufig und in den allermeisten Fällen gut konservativ in den Griff zu bekommen. Eine Operation ist nur selten nötig, und mit der richtigen Belastung kann sich das Gewebe über die Zeit anpassen und belastbarer werden. Geduld vorausgesetzt, ist die Aussicht also gut.
Wie entsteht es?
Im Kern entsteht eine Achillodynie durch ein Missverhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit. Wird die Sehne stärker oder häufiger beansprucht, als sie es gewohnt ist, kann sie das nicht mehr ausreichend reparieren, und es kommt zu einer schmerzhaften Reizung[1]. Besonders riskant ist eine zu rasche Steigerung des Trainings, etwa beim Laufen, ohne dass die Sehne sich anpassen konnte.
Begünstigend wirken eine verkürzte oder schwache Wadenmuskulatur, ungewohnte oder stoßintensive Sportarten und ungeeignetes Schuhwerk[2]. Auch ein zu schneller Wechsel des Untergrunds oder der Schuhe, viel Bergauflaufen sowie Fußfehlstellungen können den Zug auf die Sehne ungünstig verändern.
Mit zunehmendem Alter verändert sich die Struktur des Sehnengewebes, sodass die Belastbarkeit etwas abnimmt. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen. Das ist eine gute Nachricht, denn an vielen dieser Punkte lässt sich gezielt ansetzen.
Typische Symptome
Typisch ist ein ziehender oder stechender Schmerz an der Achillessehne, der zu Beginn vor allem beim Anlaufen auftritt, etwa beim ersten Loslaufen nach dem Aufstehen oder beim Start einer sportlichen Belastung[2]. Nach dem Aufwärmen bessert er sich oft, um nach der Belastung oder am nächsten Morgen wiederzukehren.
Manche Betroffene tasten eine schmerzhafte Verdickung an der Sehne, und die Stelle kann auf Druck empfindlich sein. Begleitend kommt es mitunter zu einer leichten Schwellung und einer eingeschränkten Beweglichkeit im Sprunggelenk[3].
Schreitet die Reizung fort, können die Beschwerden auch in Ruhe oder im Alltag bestehen bleiben und das Gehen, Treppensteigen oder den Sport deutlich behindern. Spätestens dann lohnt sich eine fachliche Einordnung, um die Belastung gezielt anzupassen.
Was Sie selbst tun können
Das Wichtigste ist die Belastungssteuerung. In der akuten Phase reduzieren Sie stoßintensive Aktivitäten so weit, dass die Beschwerden nicht weiter zunehmen, ohne den Fuß völlig stillzulegen[1]. Ganz darauf zu verzichten ist meist ungünstig, denn die Sehne braucht einen wohldosierten Reiz, um sich zu erholen.
Eine zentrale Rolle spielt das Krafttraining der Wade. Besonders bewährt hat sich das langsame, kontrollierte Absenken der Ferse über eine Stufenkante, das sogenannte exzentrische Wadentraining. Diese gezielten Kräftigungs- und Dehnungsübungen regen das Sehnengewebe an und können Schmerzen mit der Zeit deutlich verringern[1][3]. Etwas Übungsschmerz ist dabei in Ordnung, starke oder zunehmende Schmerzen sind ein Zeichen, die Dosis zu verringern.
Geeignetes, gut dämpfendes Schuhwerk und in der akuten Phase eine leichte Fersenerhöhung können die Sehne entlasten[2]. Sinnvoll ist es außerdem, sich vor sportlicher Belastung gut aufzuwärmen und das Trainingspensum nur behutsam zu steigern, damit die Sehne mitwachsen kann. Kühlen nach Belastung kann den Reiz beruhigen.
Vor allem aber braucht es Geduld: Beschwerden an der Achillessehne legen sich oft erst nach Wochen bis Monaten konsequenten Trainings[1]. Das klingt zunächst entmutigend, ist aber normal, weil sich Sehnengewebe langsam umbaut. Wer regelmäßig übt und nicht beim ersten Nachlassen der Schmerzen aufhört, hat erfahrungsgemäß die besten Aussichten.
Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.
Wie wir Ihnen helfen
In meiner täglichen Arbeit sehe ich mir zuerst Ihre Wadenmuskulatur, Ihr Sprunggelenk und Ihr Gang- und Laufverhalten an, um die Ursache der Überlastung zu verstehen. Auf dieser Grundlage stelle ich mit Ihnen ein abgestuftes Trainingsprogramm zusammen, das auf dem dosierten Aufbau der Sehnenbelastbarkeit beruht.
Ich leite Sie genau zum exzentrischen Wadentraining an, damit Sie die Übungen sicher dosieren und zu Hause fortführen können, denn die Regelmäßigkeit macht hier den Unterschied. Ergänzend kann ich mit manuellen Techniken an Wade, Sprunggelenk und umliegendem Gewebe arbeiten, um Beweglichkeit und Schmerzempfinden günstig zu beeinflussen.
Wenn Sie sportlich aktiv sind, planen wir gemeinsam eine schrittweise Rückkehr zu Ihrer Belastung. Mein Ziel ist, dass Sie verstehen, wie Sie Reiz und Erholung in Balance halten. Stellt sich trotz konsequenter Übung keine Besserung ein, spreche ich weitere ärztliche Schritte offen mit Ihnen an.
Wann ärztlich abklären?
Suchen Sie zeitnah ärztlichen Rat, wenn die Beschwerden trotz angepasster Belastung über mehrere Wochen anhalten oder zunehmen. Auch eine deutliche Verdickung oder eine tastbare Lücke in der Sehne gehört abgeklärt.
Ein plötzlicher, peitschenartiger Schmerz in der Wade oder am Fersenansatz, oft mit einem hörbaren Knall und der Unfähigkeit, sich auf die Zehenspitzen zu stellen, kann auf einen Achillessehnenriss hindeuten[3]. Das ist ein Fall für die rasche ärztliche Untersuchung. Ich arbeite begleitend und im Anschluss an diese Abklärung.
Mein wichtigster Rat bei der Achillessehne lautet: nicht in Schonhaltung verharren, sondern die Sehne klug und dosiert belasten. Das langsame Absenken der Ferse über eine Stufe ist die Übung, die ich am häufigsten mitgebe.
Geben Sie der Sehne Zeit. Sie passt sich an, aber nicht in Tagen, sondern über Wochen. Wer geduldig und regelmäßig übt und die Belastung behutsam steigert, kommt erfahrungsgemäß am weitesten.
Häufige Fragen
Ist die Achillessehne entzündet?
Meist nicht im klassischen Sinn. Bei der Achillodynie steht in der Regel ein Umbau- und Reizgeschehen durch Überlastung im Vordergrund, nicht eine echte Entzündung. Deshalb spricht man heute eher von einer Sehnenreizung. Für die Behandlung ist das wichtig, weil dosierte Belastung und Kräftigung im Zentrum stehen.
Darf ich mit Achillodynie weiter Sport machen?
Oft ja, aber angepasst. Völlige Ruhe ist meist ungünstig, denn die Sehne braucht einen wohldosierten Reiz. Ich rate dazu, stoßintensive Belastungen so weit zu reduzieren, dass die Schmerzen nicht zunehmen, und parallel gezielt die Wade zu kräftigen. Die richtige Dosis besprechen wir gemeinsam.
Wie lange dauert es, bis es besser wird?
Beschwerden an der Achillessehne brauchen häufig Wochen bis Monate, um abzuklingen. Mit konsequentem Wadentraining und kluger Belastungssteuerung kommen die meisten Menschen gut zurecht. Geduld und Regelmäßigkeit sind dabei entscheidend.
Was ist exzentrisches Wadentraining?
Dabei senken Sie die Ferse langsam und kontrolliert über eine Stufenkante ab, während die Wadenmuskulatur unter Spannung nachgibt. Diese Bewegung setzt einen gezielten Reiz auf das Sehnengewebe. Ich zeige Ihnen die Übung genau, damit Sie sie sicher dosieren und zu Hause weiterführen können.
Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?
Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.



