Achillessehnenriss (Achillessehnenruptur)
Ein Achillessehnenriss macht sich oft mit einem lauten Knall und einem plötzlichen Schmerz oberhalb der Ferse bemerkbar. Mit der richtigen Behandlung — ob konservativ oder operativ — und einer geduldigen Reha werden die allermeisten Betroffenen wieder voll belastbar.

Worum geht es?
Bei einem Achillessehnenriss, medizinisch Achillessehnenruptur, reißt die kräftigste Sehne des Körpers — jene Sehne, die die Wadenmuskulatur mit dem Fersenbein verbindet. Meist geschieht das ganz plötzlich bei einer kraftvollen Abdruckbewegung, etwa beim Antritt, Sprung oder einem schnellen Richtungswechsel[1][2]. Besonders betroffen sind sportlich aktive Menschen zwischen 30 und 50 Jahren.
Wichtig ist die Abgrenzung zur Achillodynie, der schmerzhaften Reizung und Überlastung der Sehne: Bei der Achillodynie ist die Sehne gereizt und verändert, aber nicht durchtrennt — beim Riss verliert sie ihre Verbindung ganz oder teilweise. Häufig geht dem Riss eine langsame, unbemerkte Vorschädigung der Sehne voraus, sodass sie schließlich unter einer eigentlich alltäglichen Belastung nachgibt[2][3].
Auch wenn ein Riss im ersten Moment dramatisch wirkt: Mit der richtigen Behandlung heilt die Achillessehne in aller Regel wieder aus, und die allermeisten Menschen werden wieder voll belastbar[2][3]. Ob konservativ mit einer Spezialorthese oder operativ behandelt wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell — beide Wege führen über eine mehrmonatige, geduldige Reha, in der die Physiotherapie eine zentrale Rolle spielt.
Wie entsteht es?
In den meisten Fällen reißt eine Achillessehne nicht aus heiterem Himmel, sondern war vorher bereits geschwächt. Mit den Jahren verliert das Sehnengewebe an Elastizität, und kleine, oft unbemerkte Vorschäden summieren sich[2]. Kommt dann eine plötzliche, kraftvolle Belastung hinzu, gibt die Sehne nach — typischerweise beim explosiven Abdruck.
Das Risiko steigt mit dem Alter, bei früheren Beschwerden an der Achillessehne und beim Sport nach längerer Pause — die klassische Situation der Wochenendsportlerin und des Wochenendsportlers. Auch bestimmte Medikamente können das Sehnengewebe schwächen, etwa manche Antibiotika aus der Gruppe der Fluorchinolone oder eine Behandlung mit Kortison[2][3].
Häufig entsteht der Riss ganz ohne Einwirkung von außen. Viele Betroffene beschreiben es, als hätte ihnen jemand von hinten gegen die Wade getreten — obwohl niemand da war. Das erklärt, warum die Verletzung im ersten Moment manchmal falsch eingeschätzt wird.
Typische Symptome
Das typische Zeichen ist ein plötzlicher, oft laut hörbarer Knall — viele vergleichen ihn mit einem Peitschenhieb —, gefolgt von einem stechenden Schmerz oberhalb der Ferse[1][2]. Kurz darauf schwillt die Region an, und es kann sich ein Bluterguss bilden.
Ein deutliches Warnzeichen ist, dass der kraftvolle Abdruck plötzlich fehlt: Sich auf die Zehenspitzen des betroffenen Beins zu stellen, gelingt nicht mehr. Manchmal lässt sich oberhalb der Ferse eine Delle oder Lücke im Sehnenverlauf tasten[2][3].
Tückisch ist, dass viele trotz gerissener Sehne noch gehen können, weil andere Muskeln einen Teil der Arbeit übernehmen[2]. Das verleitet dazu, die Verletzung zu unterschätzen. Lassen Sie einen Verdacht deshalb immer rasch ärztlich abklären — auch dann, wenn Sie noch auftreten können.
Was Sie selbst tun können
Direkt nach der Verletzung gilt: Belastung sofort stoppen, das Bein hochlagern, kühlen und nicht weiter auf der Sehne abdrücken[1]. Anders als eine harmlose Zerrung ist ein Achillessehnenriss aber keine Verletzung, die Sie allein auskurieren sollten — am Anfang steht die rasche ärztliche Abklärung, damit die Sehnenenden möglichst gut zusammenfinden.
Ihre wichtigste aktive Rolle beginnt danach, in der Heilungs- und Rehaphase. Tragen Sie die verordnete Spezialorthese oder den Spezialschuh konsequent — sie halten den Fuß in einer leichten Spitzfußstellung, damit die Sehnenenden Kontakt behalten und zusammenwachsen können[2][3]. Halten Sie sich genau an den vorgegebenen Stufenplan, mit dem die Fersenerhöhung nach und nach reduziert wird.
Beim Wiederaufbau gilt Geduld vor Ehrgeiz: Die Sehne braucht Monate, um wieder voll belastbar zu werden, und eine zu frühe oder zu kräftige Belastung riskiert einen erneuten Riss[3]. Führen Sie Kräftigungs- und Gleichgewichtsübungen nur in dem Umfang und der Phase durch, die mit Ihrer Therapeutin und Ihrem Arzt abgestimmt sind — dann aber konsequent und regelmäßig.
Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.
Wie wir Ihnen helfen
Die Physiotherapie ist nach einem Achillessehnenriss das Herzstück der Genesung — unabhängig davon, ob konservativ oder operativ behandelt wurde. Ich stimme die Behandlung eng auf die jeweilige Heilungsphase und die Vorgaben Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes ab.
In der frühen Phase geht es um dosierte Belastung, ein sicheres Gangbild mit der Orthese und, sobald es erlaubt ist, das behutsame Wiederherstellen der Beweglichkeit — ohne die heilende Sehne zu überdehnen. Bei ausgeprägter Schwellung können abschwellende Maßnahmen wie eine Lymphdrainage helfen.
Später bauen wir die Kraft der Wadenmuskulatur Schritt für Schritt wieder auf, zunächst beidbeinig, dann einbeinig, und schulen gezielt das Gleichgewicht und die Tiefenwahrnehmung. Sind Sie sportlich aktiv, begleite ich Sie über eine stufenweise, sichere Rückkehr zu Sprüngen und Richtungswechseln — mit dem Ziel, dass die Sehne am Ende wieder voll trägt und ein erneuter Riss möglichst vermieden wird.
Wann ärztlich abklären?
Bei einem Achillessehnenriss zählt jede Verzögerung: Suchen Sie bei Verdacht rasch ärztliche Hilfe auf — am besten noch am selben Tag, im Zweifel über eine Notaufnahme oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst[1][2]. Je früher die Diagnose steht, desto besser lassen sich die Sehnenenden wieder in Kontakt bringen.
Hellhörig werden sollten Sie beim typischen Muster: ein plötzlicher Knall oder Schlag an der Wade, ein stechender Schmerz oberhalb der Ferse und die Unfähigkeit, sich auf die Zehenspitzen zu stellen[2][3]. Auch eine tastbare Delle im Sehnenverlauf ist ein deutliches Alarmzeichen.
Lassen Sie sich nicht davon täuschen, dass Sie vielleicht noch gehen können — das schließt einen Riss nicht aus. Die Entscheidung zwischen konservativer und operativer Behandlung trifft die Ärztin oder der Arzt anhand von Tastbefund und Ultraschall; ich begleite Sie anschließend durch die gesamte Reha.
Ich erlebe immer wieder, dass ein Achillessehnenriss zunächst unterschätzt wird, weil Betroffene noch humpelnd gehen können. Mein dringender Rat: Wenn es an der Wade laut geknallt hat und Sie sich nicht mehr auf die Zehenspitzen stellen können, lassen Sie das noch am selben Tag abklären. Bei dieser Verletzung zählt die frühe Diagnose.
In der Reha ist Geduld Ihre beste Verbündete. Die Achillessehne heilt langsam, und der Ehrgeiz, zu früh wieder loszulegen, ist der häufigste Grund für einen erneuten Riss. Wir bauen die Belastung deshalb Schritt für Schritt auf — lieber eine Woche zu vorsichtig als ein Rückschlag, der Sie um Monate zurückwirft.
Häufige Fragen
Kann ich noch gehen, wenn die Achillessehne gerissen ist?
Ja, das ist sogar häufig — andere Muskeln übernehmen einen Teil der Arbeit, sodass Gehen oft noch möglich ist. Genau das führt dazu, dass die Verletzung unterschätzt wird. Ein zuverlässiges Warnzeichen ist, dass Sie sich nicht mehr auf die Zehenspitzen des betroffenen Beins stellen können. Lassen Sie einen Verdacht immer rasch ärztlich abklären.
Muss ein Achillessehnenriss immer operiert werden?
Nein. Viele Risse lassen sich heute konservativ-funktionell behandeln, indem der Fuß mehrere Wochen in einer Spezialorthese in leichter Spitzfußstellung gehalten wird, damit die Sehnenenden zusammenwachsen. Bei jüngeren, sehr aktiven Menschen wird häufiger operiert. Welcher Weg der richtige ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt individuell — die anschließende Reha ist in beiden Fällen entscheidend.
Wie lange dauert es, bis ich nach einem Achillessehnenriss wieder Sport machen kann?
Die Spezialorthese wird meist über etwa sechs bis acht Wochen getragen, doch die vollständige Genesung zieht sich über mehrere Monate. Zu anspruchsvollem Sport mit Sprüngen und schnellen Richtungswechseln kehren die meisten Menschen erst nach drei bis sechs Monaten oder später zurück — und erst dann, wenn Kraft, Beweglichkeit und Gleichgewicht wieder stimmen.
Was macht die Physiotherapie nach einem Achillessehnenriss?
Sie ist der Kern der Genesung. Wir bauen die Belastbarkeit stufenweise auf: erst ein sicheres Gangbild und behutsame Beweglichkeit, dann der schrittweise Kraftaufbau der Wade, Gleichgewichtstraining und schließlich die sportartspezifische Rückkehr. Alles phasengerecht und in Abstimmung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, damit die heilende Sehne nicht überfordert wird.
Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?
Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.




