Lymphödem (Lymphstau/Schwellung)
Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die entsteht, wenn der Abfluss der Lymphflüssigkeit gestört ist und sich Flüssigkeit im Gewebe staut.

Worum geht es?
Ein Lymphödem ist eine Schwellung, die dadurch entsteht, dass der Fluss der Lymphe durch eine Schädigung von Lymphgefäßen oder Lymphknoten gestört ist und sich Lymphflüssigkeit im Gewebe staut[1]. Betroffen sind am häufigsten ein Arm oder ein Bein, grundsätzlich können aber auch andere Körperregionen anschwellen[1].
Die Lymphe ist eine klare Flüssigkeit, die im ganzen Körper zirkuliert und unter anderem eine wichtige Rolle für das Abwehrsystem spielt[1]. Normalerweise wird sie über ein feines Gefäßsystem abtransportiert. Funktioniert dieser Transport nicht mehr richtig, sammelt sie sich an und die betroffene Region wird dicker und schwerer.
Man unterscheidet ein primäres Lymphödem, bei dem das Lymphsystem von Geburt an nicht richtig angelegt ist, von einem sekundären Lymphödem, das im Lauf des Lebens entsteht, zum Beispiel nach einer Operation, einer Bestrahlung oder einer Entfernung von Lymphknoten[2]. Welche Form vorliegt und wie sie behandelt wird, gehört in ärztliche Hände. Die Physiotherapie ist hier eine begleitende Maßnahme.
Wie entsteht ein Lymphödem?
Damit ein Lymphödem entsteht, muss das Lymphsystem an einer Stelle überfordert oder beschädigt sein. Beim sekundären Lymphödem geschieht das häufig im Zusammenhang mit einer Krebsbehandlung, wenn Lymphknoten entfernt oder bestrahlt wurden, etwa am Arm nach einer Brustoperation[2]. Auch Verletzungen, Entzündungen oder eine chronische Venenschwäche können beteiligt sein.
Beim selteneren primären Lymphödem ist das Lymphgefäßsystem von Anfang an nicht ausreichend ausgebildet. Die Schwellung kann dann schon in jungen Jahren oder erst später im Leben auftreten[2]. In beiden Fällen ist der Grundmechanismus derselbe: Es wird mehr Gewebeflüssigkeit gebildet, als das Lymphsystem abtransportieren kann.
Bleibt ein Lymphödem unbehandelt, kann sich das Gewebe mit der Zeit verändern und verhärten. Deshalb ist mir wichtig, dass eine Schwellung, die nicht von allein zurückgeht, immer ärztlich abgeklärt wird. Nur so lässt sich die Ursache feststellen und eine passende Behandlung einleiten.
Typische Symptome
Das auffälligste Zeichen ist eine zunehmende Schwellung, meist an einem Arm oder Bein, die sich schwer und gespannt anfühlt. Oft beginnt sie an den Fingern oder Zehen und breitet sich aus. Anfangs lässt sich an der geschwollenen Stelle noch eine Delle eindrücken, später wird das Gewebe fester.
Viele Betroffene bemerken, dass Schuhe, Ringe oder Ärmel enger werden und die Haut spannt. Ein typisches Zeichen am Bein ist das sogenannte Stemmer-Zeichen, bei dem sich die Haut über den Zehen nicht mehr in eine Falte abheben lässt. Schmerzen stehen nicht im Vordergrund, ein Schwere- und Spannungsgefühl dagegen schon.
Weil die gestaute Flüssigkeit auch das Abwehrsystem belastet, können wiederkehrende Hautinfektionen wie eine Wundrose auftreten. Eine plötzlich gerötete, überwärmte und schmerzhafte Schwellung mit Fieber gehört umgehend ärztlich untersucht. Generell gilt: Jede neue oder rasch zunehmende Schwellung sollte ärztlich abgeklärt werden.
Was Sie selbst tun können
Die wichtigste Selbsthilfe ist eine sorgfältige Hautpflege, denn die gespannte Haut ist empfindlicher für kleine Verletzungen und Infektionen. Cremen Sie regelmäßig mit einer milden, rückfettenden Pflege und achten Sie auf kleine Wunden. Hautpflege ist auch ein fester Bestandteil der ärztlich verordneten Therapie[3].
Bewegung unterstützt den Lymphabfluss. Sanfte, regelmäßige Aktivität wie Spazierengehen, Schwimmen oder gezielte Gymnastik regt die Muskelpumpe an und hilft, die Flüssigkeit zu transportieren. Eine entstauungsfördernde Bewegungstherapie gehört ausdrücklich zu den Bausteinen der Behandlung[3]. Wenn Ihnen Kompressionsstrümpfe verordnet wurden, tragen Sie diese konsequent.
Vermeiden Sie alles, was den Abfluss zusätzlich behindert, etwa einschnürende Kleidung, langes Stehen in Hitze oder Verletzungen an der betroffenen Seite. Lagern Sie das betroffene Bein oder den Arm bei Gelegenheit hoch. Diese Maßnahmen ersetzen keine ärztliche Behandlung, sondern unterstützen sie.
Wie ich Sie begleite
Die anerkannte Standardbehandlung des Lymphödems ist die komplexe physikalische Entstauungstherapie, kurz KPE. Sie setzt sich aus mehreren Bausteinen zusammen, die ineinandergreifen: Hautpflege, manuelle Lymphdrainage, Kompression mit Bandagen oder Strümpfen sowie entstauende Bewegung und Anleitung zur Selbsttherapie[3].
Im ersten Termin biete ich die manuelle Lymphdrainage an, sofern sie ärztlich verordnet ist. Mit sanften, kreisenden Grifftechniken rege ich den Abtransport der gestauten Flüssigkeit an. Anschließend ist meist eine Kompression wichtig, damit das erreichte Ergebnis erhalten bleibt. Ich leite Sie auch an, wie Sie zu Hause mit Hautpflege, Bewegung und Kompression mitwirken können.
Mir ist wichtig, ehrlich zu sein: Die Physiotherapie kann ein Lymphödem nicht heilen, aber sie kann die Schwellung deutlich verringern und Ihre Beschwerden lindern und so im Alltag viel erleichtern. Sie ist immer eine Begleitmaßnahme zur ärztlichen Behandlung. Wenn sich Ihr Befund verändert, stimme ich mich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Bleiben Sie konsequent, gerade bei den Dingen, die mühsam erscheinen. Hautpflege, das Tragen der verordneten Kompression und regelmäßige Bewegung sind das Fundament. Wer hier am Ball bleibt, hält die Schwellung am besten in Schach.
Und bitte: Eine neue oder rasch zunehmende Schwellung, vor allem mit Rötung, Wärme und Fieber, gehört rasch zur Ärztin oder zum Arzt. Ich begleite Sie mit der Lymphdrainage, aber die Diagnose und die Verordnung kommen aus der ärztlichen Praxis.
Häufige Fragen
Kann die Lymphdrainage ein Lymphödem heilen?
Nein. Die manuelle Lymphdrainage und die gesamte Entstauungstherapie können die Schwellung verringern und Ihre Beschwerden lindern, aber sie heilen das Lymphödem nicht. Es handelt sich um eine begleitende Behandlung, die in der Regel dauerhaft fortgeführt wird. Diagnose und Verordnung gehören in ärztliche Hände.
Warum brauche ich nach der Lymphdrainage Kompression?
Die Lymphdrainage bringt die gestaute Flüssigkeit in Bewegung. Damit sie nicht gleich wieder zurückfließt, ist anschließend eine Kompression mit Bandagen oder Strümpfen wichtig. Beides zusammen ist deutlich wirksamer als die Drainage allein und gehört zur Standardbehandlung.
Ist jede Beinschwellung ein Lymphödem?
Nein. Schwellungen können viele Ursachen haben, etwa eine Venenschwäche, eine Herz- oder Nierenerkrankung. Deshalb gehört eine Schwellung, die nicht von allein zurückgeht, immer ärztlich abgeklärt. Erst wenn die Ursache feststeht, lässt sich die richtige Behandlung wählen.
Darf ich mit einem Lymphödem Sport treiben?
Ja, sanfte und regelmäßige Bewegung tut sogar gut, weil sie den Lymphabfluss unterstützt. Geeignet sind zum Beispiel Spazierengehen, Schwimmen oder gezielte Gymnastik, am besten mit der verordneten Kompression. Sehr starke, einseitige Belastungen sollten Sie dagegen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt abstimmen.
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.

