Schmerzen im oberen Rücken (BWS-Syndrom)
Beschwerden der Brustwirbelsäule und ihrer Rippengelenke lassen sich mit Mobilisation und bewusster Atmung meist gut lindern.

Worum geht es?
BWS-Syndrom ist die Abkürzung für Brustwirbelsäulen-Syndrom und ist zunächst ein Sammelbegriff. Er fasst Beschwerden zusammen, die ihren Ursprung im mittleren und oberen Rücken haben, also im Bereich der Brustwirbelsäule und der zwölf Rippenpaare, die dort gelenkig ansetzen. Es handelt sich also nicht um eine einzelne, klar umrissene Krankheit, sondern um eine Beschreibung der Beschwerderegion.
In den allermeisten Fällen steckt keine ernste Ursache dahinter. Wie bei Rückenschmerzen allgemein lässt sich sehr häufig kein einzelner Schaden festmachen; bei über 85 Prozent der Menschen mit Rückenschmerzen findet sich keine eindeutige Ursache, man spricht dann von nicht-spezifischen Beschwerden[1]. Oft sind die kleinen Wirbel- und Rippengelenke sowie die umgebende Muskulatur an der Brustwirbelsäule beteiligt, die auf einseitige Belastung empfindlich reagieren.
Der vergleichsweise stabile Brustkorb, der die Brustwirbelsäule wie ein Korb umschließt, sorgt zugleich dafür, dass dieser Abschnitt seltener betroffen ist als der bewegliche Nacken oder der stark belastete untere Rücken. Wenn die Brustwirbelsäule aber Beschwerden macht, sind diese für die Betroffenen nicht weniger spürbar.
Wie entsteht ein BWS-Syndrom?
Sehr häufig sind Haltung und Belastung der Auslöser: langes, vorgebeugtes Sitzen am Schreibtisch, monotone Arbeitshaltungen, Bewegungsmangel oder eine ungewohnte körperliche Belastung. Die Brustwirbelsäule ist von Natur aus weniger beweglich als die anderen Abschnitte; verliert sie zusätzlich an Beweglichkeit, geraten die kleinen Gelenke und die Muskulatur leichter unter Spannung. Auch ein ausgeprägter Rundrücken, also eine verstärkte Krümmung der Brustwirbelsäule, kann den oberen Rücken zusätzlich belasten[3].
Beteiligt sein können die Facettengelenke zwischen den einzelnen Wirbeln ebenso wie die Rippen-Wirbel-Gelenke. Reagiert ein solches Gelenk gereizt oder ist die Muskulatur darum herum verspannt, kann das zu den typischen Beschwerden führen. Gut zu wissen ist auch, dass altersbedingte Veränderungen, die auf Bildern wie dem MRT zu sehen sind, sehr verbreitet sind und längst nicht immer Schmerzen verursachen, weshalb eine Bildgebung nicht in jedem Fall nötig ist[1].
Wichtig ist mir der Hinweis: Nicht jeder Schmerz im oberen Rücken oder Brustkorb stammt von der Wirbelsäule. Beschwerden im Brustbereich können auch andere, ernste Ursachen haben, etwa am Herzen, weshalb neue oder unklare Brustschmerzen immer zuerst ärztlich eingeordnet gehören[1].
Typische Symptome
Charakteristisch sind Schmerzen zwischen oder unter den Schulterblättern, häufig als ziehend, stechend oder als Druck beschrieben. Viele Betroffene spüren eine Verschlechterung bei bestimmten Bewegungen, beim tiefen Einatmen, beim Husten oder beim langen Sitzen. Oft lässt sich eine verspannte, druckempfindliche Muskulatur tasten, und der ganze Bereich fühlt sich steif an.
Weil die Rippen bis nach vorne ziehen, können die Beschwerden manchmal gürtelförmig um den Brustkorb herum oder bis zum Brustbein ausstrahlen. Genau das verunsichert viele Menschen verständlicherweise. Halten Sie sich an die einfache Regel: Lassen Sie Brustschmerzen, Atemnot, ausstrahlende Schmerzen in den Arm oder begleitende Beschwerden wie Schwindel und Übelkeit immer zuerst ärztlich abklären, bevor wir sie als reines Rückenproblem behandeln[1].
Was Sie selbst tun können
Das Wirksamste ist Bewegung. Längeres Schonen oder Ausharren in einer Position verschlimmert die Beschwerden eher, während sanfte, regelmäßige Bewegung die Brustwirbelsäule mobil hält. Bei nicht-spezifischen Rückenbeschwerden ist regelmäßige Aktivität eine der am besten belegten Maßnahmen, und es gibt nicht die eine richtige Übung, sondern viele gute Wege[2].
Konkret hilft im Alltag: häufige Haltungswechsel statt stundenlangem Verharren, bewusstes Aufrichten und Öffnen des Brustkorbs sowie ruhige, tiefe Atemzüge, die die Rippen sanft bewegen. Wärme, etwa eine Wärmeauflage, kann verspannte Muskulatur lockern und wird von vielen als angenehm empfunden.
Sanfte Mobilisations- und Dehnübungen für den oberen Rücken lassen sich gut in den Tag einbauen, am besten einmal fachlich angeleitet. Bewegungsformen, die den Rumpf stärken und das Körpergefühl schulen, etwa angeleitete Wirbelsäulengymnastik oder Pilates, tun einer steifen Brustwirbelsäule auf Dauer gut[2].
Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.
Wie wir Ihnen helfen
In meiner Praxis kläre ich zunächst mit Ihnen ab, dass keine Warnzeichen für eine andere Ursache vorliegen, und schaue mir die Beweglichkeit Ihrer Brustwirbelsäule und Rippen genau an. Mit manueller Therapie kann ich steife Wirbel- und Rippengelenke gezielt und schonend mobilisieren, um die natürliche Beweglichkeit zu unterstützen. Verspannte Muskulatur lockere ich bei Bedarf mit klassischer Massage oder mit Wärmeanwendungen.
In der Krankengymnastik üben wir das, was langfristig trägt: ein bewegliches, aufgerichtetes Brustkorbgefühl, eine gute Atemlenkung und ein einfaches Übungsprogramm für zu Hause. Mir ist wichtig, dass Sie lernen, Ihre Brustwirbelsäule im Alltag in Bewegung zu halten, denn so beugen Sie erneuten Beschwerden am besten vor.
Eines stelle ich dabei klar: Physiotherapie kann die Beschwerden lindern und die Beweglichkeit verbessern, sie ersetzt aber bei unklaren oder neu auftretenden Brustbeschwerden nicht die ärztliche Abklärung[1]. Sind ernste Ursachen ausgeschlossen, ist der aktive, bewegungsorientierte Weg erfahrungsgemäß der beste.
Ich rate Ihnen, bei neuen oder ungewohnten Schmerzen im Brustkorb zuerst ärztlich abklären zu lassen, dass das Herz in Ordnung ist. Erst dann gehen wir die Beschwerden als Thema der Brustwirbelsäule an.
Atmen Sie bewusst. Ein paar Mal am Tag tief in die Flanken und in den oberen Rücken einatmen hält den Brustkorb in Bewegung und tut einer steifen Brustwirbelsäule spürbar gut.
Häufige Fragen
Kann ein BWS-Syndrom auf das Herz ausstrahlen oder umgekehrt?
Beschwerden der Brustwirbelsäule können bis zum Brustbein ausstrahlen und sich beunruhigend anfühlen. Umgekehrt können ernste Ursachen am Herzen ähnliche Beschwerden machen. Lassen Sie neue oder unklare Brustschmerzen daher immer zuerst ärztlich abklären.
Sind die Knackgeräusche bei der Mobilisation gefährlich?
Ein gelegentliches Geräusch bei einer Bewegung oder Behandlung ist in der Regel harmlos. Entscheidend ist nicht das Knacken, sondern dass sich Beweglichkeit und Beschwerden bessern. Ich arbeite bewusst schonend und auf Ihr Wohlbefinden abgestimmt.
Wie lange dauert ein BWS-Syndrom?
Nicht-spezifische Beschwerden der Brustwirbelsäule bessern sich häufig innerhalb einiger Wochen, vor allem wenn Sie aktiv bleiben. Halten die Schmerzen länger an oder kehren sie immer wieder, sollten Ursache und Behandlung gemeinsam überdacht werden.
Soll ich mich bei oberen Rückenschmerzen schonen?
Nein, längere Schonung ist meist ungünstig. Sanfte, regelmäßige Bewegung hält die Brustwirbelsäule beweglich und ist eine der wirksamsten Maßnahmen. Schwere oder einseitige Belastungen dürfen Sie vorübergehend reduzieren.
Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?
Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.






