Rundrücken & Hohlkreuz (Haltungsschwäche)
Wenn die Wirbelsäule durch muskuläre Dysbalancen aus dem Lot gerät, helfen Haltungsschulung und gezieltes Training oft erstaunlich gut.

Worum geht es?
Unsere Wirbelsäule ist von Natur aus nicht gerade, sondern doppelt S-förmig geschwungen. Im Hals- und Lendenbereich ist sie sanft nach vorne gekrümmt, das nennt man Lordose; im Brust- und Kreuzbeinbereich nach hinten, das ist die Kyphose[1]. Diese Schwünge sind sinnvoll, denn sie federn Stöße ab und verteilen Belastungen gleichmäßig. Erst wenn einzelne dieser Krümmungen über das normale Maß hinaus verstärkt sind, sprechen wir von einem Rundrücken oder einem Hohlkreuz.
Beim Rundrücken (Hyperkyphose) ist die Brustwirbelsäule zu stark nach hinten gewölbt, die Schultern fallen nach vorne. Beim Hohlkreuz (Hyperlordose) ist die Lendenwirbelsäule übermäßig nach vorne durchgedrückt und das Becken nach vorne gekippt[1]. Häufig treten beide Abweichungen gemeinsam auf, weil der Körper eine verstärkte Krümmung an einer Stelle an anderer Stelle auszugleichen versucht. Aus einem Rundrücken oben wird so leicht ein verstärktes Hohlkreuz unten.
Wie entsteht eine Haltungsschwäche?
Eine reine Haltungsschwäche entsteht meist nicht durch einen Schaden am Knochen, sondern durch ein Ungleichgewicht der Muskulatur, eine sogenannte muskuläre Dysbalance. Vereinfacht gesagt: Manche Muskelgruppen sind verkürzt und zu fest, ihre Gegenspieler dagegen zu schwach. So zieht zum Beispiel eine schwache Rücken- und Bauchmuskulatur die Wirbelsäule nicht mehr zuverlässig in ihre gute Form, während die Brustmuskeln vorne verkürzen und die Schultern nach vorne ziehen[1].
Der wichtigste Treiber im Alltag ist Bewegungsmangel in Kombination mit langem Sitzen. Stundenlanges Sitzen am Schreibtisch oder über dem Smartphone fördert genau die Haltung, die wir vermeiden möchten, und schwächt zugleich die stabilisierende Rumpfmuskulatur. Das Gute daran: Eine Haltungsschwäche ist im Prinzip umkehrbar, weil sie an der trainierbaren Muskulatur ansetzt und nicht an einer festen Verformung der Knochen[1].
Davon abzugrenzen sind feste, strukturelle Veränderungen, etwa beim Morbus Scheuermann im Jugendalter oder bei einer Osteoporose im höheren Alter. Hier lässt sich die Krümmung nicht mehr einfach aktiv ausgleichen, und es braucht eine ärztliche Einordnung[1]. Deshalb ist die Unterscheidung zwischen einer beweglichen Haltungsschwäche und einer festen Veränderung der erste wichtige Schritt.
Typische Symptome
Oft ist es zunächst der Eindruck von außen: hängende Schultern, ein gekrümmter oberer Rücken oder ein deutliches Hohlkreuz. Viele Betroffene berichten über ein rasches Ermüden beim Stehen und Sitzen, ein Ziehen oder Verspannungsgefühl im Nacken, zwischen den Schulterblättern oder im unteren Rücken. Die Beschwerden nehmen typischerweise im Lauf des Tages zu, je länger eine ungünstige Haltung gehalten wird.
Ein einfacher Hinweis auf eine Haltungsschwäche: Wenn Sie sich bewusst aufrichten, lässt sich die Form deutlich verbessern, sie fällt aber wieder in die alte Position zurück, sobald Sie nicht mehr darauf achten. Das zeigt, dass die Muskulatur die gute Haltung noch nicht von allein hält. Genau hier setzt Training an. Bleibt eine Fehlhaltung dagegen auch bei bewusster Aufrichtung bestehen, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden, um eine strukturelle Veränderung auszuschließen.
Was Sie selbst tun können
Die wirksamste Maßnahme ist regelmäßige Bewegung, die kräftigt und gleichzeitig die verkürzten Bereiche dehnt. Ich empfehle eine Mischung aus Kräftigung für die Rücken-, Bauch- und Gesäßmuskulatur und Dehnung für die Brust- und Hüftbeugemuskulatur. Bewegungsformen wie Pilates oder gezieltes Stabilisationstraining stärken die tiefe Rumpfmuskulatur und das Körpergefühl, was der Haltung zugutekommt[2].
Dass sich das lohnt, zeigt auch die Forschung: Eine systematische Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 fand, dass strukturierte Übungsprogramme mit Kräftigung, Dehnung und Haltungsschulung den Krümmungswinkel bei jüngeren Menschen verbessern können[3]. Im Alltag zählt dabei nicht die perfekte Haltung, sondern die nächste Bewegung: Wechseln Sie häufig die Position, stehen Sie zwischendurch auf, richten Sie Ihren Arbeitsplatz ergonomisch ein.
Es gibt nicht die eine beste Übung, entscheidend ist, dass Sie etwas finden, das zu Ihnen passt und das Sie dauerhaft durchhalten[2]. Wer eine Übung einmal sauber anleiten lässt, profitiert meist mehr, weil sie dann wirksam und gelenkschonend ausgeführt wird. Lieber wenige Übungen regelmäßig als ein großes Programm, das nach kurzer Zeit liegen bleibt.
Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.
Wie wir Ihnen helfen
In unserer Praxis schaue ich mir zuerst genau an, welche Muskelgruppen bei Ihnen zu fest und welche zu schwach sind und welche Haltung sich im Alltag eingeschliffen hat. Auf dieser Grundlage stelle ich ein individuelles Programm zusammen. In der Krankengymnastik kräftigen wir gezielt die aufrichtende Muskulatur, in der Wirbelsäulengymnastik schulen wir Haltung und Beweglichkeit, und bei festen Verspannungen lockern manuelle Therapie oder eine klassische Massage die überlasteten Bereiche.
Mein Anspruch ist, dass Sie verstehen, woher Ihre Beschwerden kommen, und dass Sie ein paar Übungen mit nach Hause nehmen, die in Ihren Alltag passen. Denn eine Haltungsschwäche bessert sich vor allem über das, was Sie regelmäßig selbst tun. Physiotherapie kann diesen Weg anleiten und begleiten und Verspannungen lindern; die eigentliche Veränderung erarbeiten wir gemeinsam über die Zeit. Genau diese Mischung aus Anleitung und Eigenübung deckt sich mit dem, was sich in Studien als wirksam gezeigt hat[3].
Ich rate Ihnen, sich nicht an der perfekten Haltung festzubeißen. Der beste Sitz ist immer der nächste: Bewegen Sie sich oft, wechseln Sie häufig die Position, das entlastet mehr als jedes Strammstehen.
Setzen Sie auf wenige, regelmäßige Übungen statt auf seltene Großeinsätze. Was Sie täglich tun, formt Ihre Haltung; was Sie sich einmal pro Woche vornehmen, meist nicht.
Häufige Fragen
Ist ein Rundrücken oder Hohlkreuz gefährlich?
Eine reine Haltungsschwäche ist nicht gefährlich und im Prinzip gut beeinflussbar, weil sie an der trainierbaren Muskulatur ansetzt. Bleibt eine Fehlhaltung jedoch auch bei bewusster Aufrichtung bestehen oder verstärkt sie sich, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden.
Kann man eine Fehlhaltung im Erwachsenenalter noch verbessern?
Ja. Solange es sich um eine muskulär bedingte Haltungsschwäche handelt, lässt sie sich in jedem Alter durch Kräftigung, Dehnung und ein besseres Körpergefühl verbessern. Wichtig sind Geduld und Regelmäßigkeit.
Helfen Haltungstrainer oder Geradehalter aus dem Internet?
Solche Gurte können kurzfristig erinnern, ersetzen aber kein Training, da die Muskulatur dabei eher passiv bleibt. Nachhaltig hilft, die Muskeln zu kräftigen, die die gute Haltung von selbst halten. Sprechen Sie Hilfsmittel im Zweifel mit einer Fachperson ab.
Woran erkenne ich, ob es nur Haltungsschwäche ist?
Ein einfacher Hinweis: Können Sie sich bewusst gut aufrichten, ist es meist eine Haltungsschwäche. Lässt sich die Krümmung nicht mehr ausgleichen oder kommen Schmerzen, Taubheit oder ein rascher Verlauf hinzu, gehört das ärztlich untersucht.
Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?
Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:
Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.
- Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at): Lordose, Kyphose, Hohlkreuz und Rundrücken
- IQWiG / gesundheitsinformation.de: Warum Bewegung bei Rückenschmerzen wichtig ist
- Fernández Fernández L et al.: Effect of Therapeutic Exercise on the Management of Hyperkyphosis in Adolescence and Young Adulthood: A Systematic Review. Physiotherapy Research International (2025)






