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Schmerzbereiche · Schulter

Rotatorenmanschetten-Riss (Riss der Schultersehnen)

Autorin  Serena Sievers Zuletzt aktualisiert: 14.06.2026

Ein Riss in der Rotatorenmanschette klingt dramatisch – und tatsächlich verstecken sich dahinter oft Schmerzen, die vor allem nachts und beim seitlichen Heben quälen. Was viele nicht wissen: Längst nicht jeder Riss muss operiert werden. Sehr viele lassen sich gut konservativ, also mit Physiotherapie und Geduld, behandeln. Dieser Ratgeber erklärt Ihnen ruhig und verständlich, was die Rotatorenmanschette ist, woran Sie einen Riss erkennen, wann Sie ärztlichen Rat suchen sollten und wie eine physiotherapeutische Behandlung aussehen kann.

Schmerzbereiche – Rotatorenmanschetten-Riss (Riss der Schultersehnen)

Was ist ein Rotatorenmanschetten-Riss?

Die Rotatorenmanschette ist eine Gruppe von vier Muskeln mit ihren Sehnen, die wie eine Manschette um den Kopf des Oberarmknochens gelegt sind. Sie entspringen am Schulterblatt und setzen am Oberarmkopf an. Ihre Aufgabe ist es, den Oberarmkopf sauber in der Gelenkpfanne zu zentrieren und zu führen – sie sorgt also dafür, dass Sie den Arm heben, drehen und in viele Richtungen kontrolliert bewegen können. Am häufigsten betroffen ist die Sehne des Obergrätenmuskels (Supraspinatus), die in einem engen Raum unter dem knöchernen Schulterdach verläuft[3].

Von einem Riss (medizinisch: Ruptur) spricht man, wenn eine oder mehrere dieser Sehnen teilweise oder vollständig einreißen. Reißt eine Sehne nur an, spricht man von einem Teilriss; ist sie ganz durchtrennt, von einem kompletten Riss. Wichtig zu verstehen: Ein Riss bedeutet nicht zwangsläufig starke Beschwerden. Manche Menschen haben einen Riss, ohne etwas davon zu merken, während andere deutliche Schmerzen und Kraftverlust spüren[2].

Grob unterscheidet man zwei Entstehungswege. Der häufigere ist der verschleißbedingte (degenerative) Riss: Die Sehne wird mit den Jahren weniger durchblutet und weniger belastbar und kann dann auch ohne großes Ereignis einreißen. Der zweite ist der unfallbedingte (traumatische) Riss, etwa nach einem Sturz auf den ausgestreckten Arm oder einem kräftigen Ruck. Welche dieser Formen vorliegt, beeinflusst die Beratung und die Wahl der Behandlung wesentlich[3].

Serena Sievers
Praxisinhaberin & Physiotherapeutin · Forchheim
Verfasst und fachlich geprüft von Serena Sievers
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Symptome

Das vielleicht typischste Zeichen ist der Schmerz beim seitlichen Heben des Arms. Viele Betroffene berichten, dass es besonders in einem mittleren Bereich der Bewegung wehtut – etwa wenn der Arm zur Seite zwischen rund 60 und 120 Grad angehoben wird. Bewegungen über Kopf, das Greifen nach hinten oder das Anziehen einer Jacke können ebenfalls Beschwerden auslösen[3].

Charakteristisch ist auch der Nachtschmerz. Viele schlafen schlechter, weil die Schulter im Liegen schmerzt, besonders wenn man auf der betroffenen Seite liegt. Nicht selten ist es gerade dieser nächtliche Schmerz, der Menschen schließlich zur Ärztin oder zum Arzt führt[3].

Neben dem Schmerz kann ein Kraftverlust auftreten. Je nachdem, welche Sehne betroffen ist und wie groß der Riss ist, fällt es schwer, den Arm anzuheben, ihn nach außen zu drehen oder ihn gegen Widerstand zu halten. Bei einem großen oder kompletten Riss kann das Heben des Arms deutlich geschwächt oder kaum noch möglich sein. Wie stark die Beschwerden ausfallen, ist allerdings sehr unterschiedlich und hängt nicht allein von der Größe des Risses ab[2].

Ursachen & Risikofaktoren

Der mit Abstand wichtigste Faktor ist das Lebensalter beziehungsweise der natürliche Verschleiß der Sehnen. Mit den Jahren verlieren die Sehnen an Elastizität und Belastbarkeit, sodass Risse mit zunehmendem Alter häufiger werden. Solche Veränderungen lassen sich in bildgebenden Untersuchungen auch bei vielen Menschen finden, die gar keine Schulterschmerzen haben – ein Befund auf dem Bild bedeutet also nicht automatisch, dass er die Ursache der Beschwerden ist[1].

Daneben spielt die Belastung eine Rolle. Wiederkehrende Überkopf-Tätigkeiten – etwa bei bestimmten Berufen oder Sportarten wie Tennis, Schwimmen oder Wurfsportarten – können die Sehnen auf Dauer reizen und schwächen[3]. Auch ein enger Raum unter dem Schulterdach, in dem die Sehne immer wieder eingeklemmt wird (Engpass-Syndrom), kann zu einer Schädigung der Sehne beitragen[1].

Der zweite große Entstehungsweg ist der Unfall. Ein Sturz auf den ausgestreckten oder angelegten Arm, ein kräftiger Zug oder ein plötzlicher Ruck können eine zuvor vielleicht schon vorgeschädigte Sehne zum Reißen bringen – manchmal aber auch eine gesunde Sehne[3]. Gerade ein solcher unfallbedingter Riss mit plötzlichem, deutlichem Kraftverlust ist ein Grund, zeitnah ärztlichen Rat einzuholen.

Wann zur Ärztin oder zum Arzt?

Grundsätzlich gilt: Schulterschmerzen, die nicht innerhalb einiger Wochen abklingen, die immer wiederkehren oder die Sie im Alltag und beim Schlafen deutlich einschränken, sollten ärztlich abgeklärt werden. So lässt sich klären, was hinter den Beschwerden steckt und welche Behandlung sinnvoll ist[1].

Besondere Aufmerksamkeit verdient ein akuter Riss nach einem Unfall. Wenn Sie nach einem Sturz oder einem kräftigen Ruck plötzlich Ihren Arm nicht mehr richtig anheben oder nach außen drehen können und einen deutlichen Kraftverlust bemerken, sollten Sie zeitnah ärztlichen Rat suchen. In solchen Fällen kann es einen Unterschied machen, einen frischen, unfallbedingten Riss rechtzeitig zu erkennen und zu beurteilen, ob und wie er behandelt werden sollte[3].

Zur Diagnose erfragt die Ärztin oder der Arzt zunächst, wie die Beschwerden entstanden sind, und untersucht die Schulter mit gezielten Bewegungs- und Krafttests. Um einen Riss sichtbar zu machen, kommen bildgebende Verfahren wie eine Ultraschalluntersuchung oder eine Kernspintomografie (MRT) zum Einsatz; ein Röntgenbild zeigt vor allem die knöchernen Verhältnisse[3]. Aus dem Gesamtbild – Beschwerden, Untersuchung, Befund und Ihren persönlichen Ansprüchen an die Schulter – ergibt sich dann, welcher Weg für Sie der richtige ist.

Was Sie selbst tun können

In der akuten, schmerzhaften Phase ist es sinnvoll, Bewegungen und Belastungen, die deutlich wehtun, vorerst zu vermeiden – ohne die Schulter aber ganz stillzulegen. Sanfte Bewegung im schmerzarmen Bereich hilft, einer Versteifung und einem weiteren Kraftverlust vorzubeugen. Kühlung kann in den ersten Tagen angenehm sein[1].

Gegen die Schmerzen können vorübergehend entzündungshemmende Schmerzmittel helfen. Solche Mittel sind aber nicht für den Dauergebrauch gedacht und haben Nebenwirkungen; sprechen Sie die Anwendung daher mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder in der Apotheke ab[1]. Ziel ist immer, die Schmerzen so weit zu lindern, dass Sie wieder beweglich werden und üben können.

Der vielleicht wichtigste Baustein, den Sie selbst in der Hand haben, sind regelmäßige Übungen. Untersuchungen deuten darauf hin, dass Betroffene, die ihre in der Physiotherapie erlernten Übungen selbstständig und korrekt zu Hause weiterführen, ähnlich profitieren können wie unter durchgehender therapeutischer Anleitung[1]. Lieber täglich ein paar Minuten ruhig und sauber üben als selten und verbissen. Achten Sie außerdem auf eine aufrechte Haltung und geben Sie der Schulter Zeit – Heilung und Anpassung brauchen oft Wochen bis Monate.

Übungen für zu Hause

Sanft, sicher und meist ganz ohne Geräte — von Serena Sievers ausgewählt.

Wie ich Sie behandle

Vorweg das Wichtigste: Viele Risse der Rotatorenmanschette lassen sich gut ohne Operation behandeln. Besonders bei verschleißbedingten Rissen und bei Teilrissen ist die konservative, also nicht-operative Behandlung mit Physiotherapie häufig der erste und oft ausreichende Weg. Eine Operation ist nicht in jedem Fall nötig – sie wird vor allem bei bestimmten kompletten oder unfallbedingten Rissen und bei jüngeren, aktiven Menschen erwogen. Welcher Weg für Sie passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; ich begleite Sie auf dem konservativen Weg und ebenso, falls doch operiert wird, in der Nachbehandlung[2].

In der Krankengymnastik arbeite ich mit Ihnen zunächst daran, die Schulter im schmerzarmen Bereich beweglich zu halten und die umgebende Muskulatur zu kräftigen. Gerade wenn eine Sehne geschwächt ist, können die übrigen Muskeln der Manschette und des Schultergürtels lernen, mehr Führung und Stabilität zu übernehmen. Wir bauen die Übungen behutsam und Schritt für Schritt auf – von sanfter Bewegung über gezielte Kräftigung bis hin zu Bewegungen, die Ihren Alltag und Ihre Belastungen abbilden. Dazu zeige ich Ihnen ein Übungsprogramm für zu Hause, das zu Ihrer aktuellen Phase passt.

Ergänzend setze ich Manuelle Therapie ein. Mit gezielten Handgriffen kann ich daran arbeiten, die Beweglichkeit der Schulter zu fördern, Verspannungen im Schultergürtel und Nacken zu lösen und das Zusammenspiel der Gelenke zu verbessern. Welche Bausteine ich kombiniere, richte ich nach Ihrem Befund und Ihren Zielen. Ich beobachte Ihre Fortschritte fortlaufend und passe das Vorgehen an. Ein bestimmtes Ergebnis kann und will ich Ihnen nicht versprechen – aber ich begleite Sie sorgfältig, ruhig und nach bestem fachlichen Wissen. Und wenn mir etwas auffällt, das ärztlich abzuklären ist, sage ich Ihnen das offen.

Das rät Serena Sievers

Mein wichtigster Rat: Lassen Sie sich von dem Wort 'Riss' nicht entmutigen. Sehr viele Risse der Rotatorenmanschette lassen sich gut konservativ behandeln, und mit regelmäßigen Übungen und etwas Geduld kommen Beweglichkeit und Kraft oft Schritt für Schritt zurück. Bitte handeln Sie jedoch zeitnah und suchen ärztlichen Rat, wenn Sie nach einem Sturz oder einem kräftigen Ruck plötzlich Ihren Arm nicht mehr richtig anheben oder nach außen drehen können und einen deutlichen Kraftverlust bemerken – das kann auf einen frischen, unfallbedingten Riss hindeuten, der rasch beurteilt werden sollte. Im Zweifel lieber einmal zu viel nachfragen; ich begleite Sie gern auf diesem Weg.

Häufige Fragen

Muss ein Riss der Rotatorenmanschette immer operiert werden?

Nein. Viele Risse – besonders verschleißbedingte Risse und Teilrisse – lassen sich gut konservativ mit Physiotherapie behandeln. Eine Operation wird vor allem bei bestimmten kompletten oder unfallbedingten Rissen und bei aktiven, jüngeren Menschen erwogen. Welcher Weg sinnvoll ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann eine gerissene Sehne von allein wieder zusammenwachsen?

Eine vollständig gerissene Sehne wächst in der Regel nicht von selbst wieder zusammen. Dennoch können viele Betroffene auch ohne Naht weitgehend beschwerdearm und im Alltag gut zurechtkommen, weil die übrige Muskulatur die Funktion mit übernehmen kann. Genau hier setzt die physiotherapeutische Behandlung an.

Warum schmerzt die Schulter gerade nachts so stark?

Nachtschmerz ist ein typisches Zeichen bei Problemen der Rotatorenmanschette. Im Liegen verändert sich die Belastung auf die Sehnen, und vor allem das Liegen auf der betroffenen Seite kann Druck auf die gereizten Strukturen ausüben. Viele empfinden den Nachtschmerz als besonders belastend, weil er den Schlaf stört.

Wie lange dauert es, bis es mir besser geht?

Das lässt sich nicht pauschal sagen, denn es hängt von Art und Größe des Risses, Ihrem Alter und Ihren Zielen ab. Bei konservativer Behandlung sind oft Wochen bis Monate nötig, bis Beweglichkeit und Kraft spürbar besser werden. Regelmäßiges, sauberes Üben und Geduld zahlen sich dabei erfahrungsgemäß aus.

Gibt es Übungen, die ich zu Hause machen kann?

Ja. Für Ihre Beschwerden habe ich eine Auswahl sanfter Übungen zusammengestellt, die Sie sicher zu Hause durchführen können — meist ganz ohne Geräte. Jede Übung hat eine eigene, bebilderte Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Hinweisen, worauf Sie achten sollten. Beginnen Sie behutsam und im schmerzfreien Bereich:

Serena Sievers
Verfasst & fachlich geprüft von

Praxisinhaberin und erfahrene Expertin für Physiotherapie in Forchheim. Sie verfasst und prüft die Fachbeiträge dieser Website persönlich — für verständliche, sorgfältig recherchierte Gesundheitsinformationen. Mehr über Serena Sievers →

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Dieser Beitrag dient der allgemeinen Gesundheitsinformation und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei anhaltenden oder starken Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder direkt an uns.

Quellen
  1. IQWiG / gesundheitsinformation.de: Was hilft bei Schulterschmerzen? (2024)
  2. DGOU / DVSE u.a.: S2k-Leitlinie Rotatorenmanschettenruptur, AWMF-Register Nr. 187-055 (2025)
  3. MSD Manual Ausgabe für Patienten: Verletzung der Rotatorenmanschette / Subakromiale Bursitis (2025)